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Kommentar zu Karstadt : Kaufhausdino mit schwerer Zukunft

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Karstadt will endlich bessere Zahlen sehen und droht mit Filialschließungen. Für die Innenstädte der verliebenen Standorte wäre das fatal. Ein Kommentar von Bernd Ahlert.

Für die Beschäftigten von Karstadt muss diese Ankündigung wie eine Drohung klingen. Bei der Warenhauskette soll die Ertragswende eingeleitet werden, in spätestens drei Monaten soll der Plan dafür stehen. So lautet die Vorgabe des Aufsichtsratsvorsitzenden Stephan Fanderl, der vorsichtshalber schon jetzt auf drastische Maßnahmen einstimmt: Häuser, bei denen keine positive Perspektive zu erkennen ist, droht die Schließung. Das ist die Fortsetzung eines jahrelangen Managements, das auf schnelle Effekte zielt und ziemlich erfolglos geblieben ist. Neben fehlenden Investitionen, misslungenen Sanierungsmaßnahmen und Kostendrückerei zu Lasten der Beschäftigten fehlt es Karstadt vor allem an einem überzeugenden und zukunftsfähigen Geschäftsmodell. Und das ist auch weiterhin nicht zu erkennen.

Der ehemalige Hoffnungsträger und Karstadt-Chef Andrew Jennings setzte vor allem auf Mode, Kosmetik, Uhren und Schmuck – und musste gehen. Die neue Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die im Februar antritt, will zurück zu den Wurzeln des Kaufhausdinos. Dinge des täglichen Bedarfs – wie Knöpfe und Töpfe – sowie ein Sortiment, das sich an regionalen Bedürfnissen der Kunden ausrichtet, sollen den Erfolg bringen. Das klingt nach einem Gemischtwarenladen mit angeschlossener Strickwarenabteilung – und nach Untergang.

In Zeiten des Onlinehandels und eines stark spezialisierten stationären Einzelhandels ist mit dieser Strategie kein Blumentopf zu gewinnen. Karstadt kämpft mit dem steigenden Preisdruck und den wachsenden Ansprüchen der Kunden – und wird so zerrieben. Das ist bitter für die Beschäftigten und eine Gefahr für die Zentren vor allem mittelgroßer Städte. Denn: Obwohl die Umsätze sinken und weniger Verbraucher bei Karstadt einkaufen, sind die Häuser immer noch Garant für Einkaufsvielfalt, hohe Kundenfrequenz und die Ansiedlung kleinerer Einzelhändler in den Innenstädten. Ohne großen Einkaufstempel bluten diese Standorte schnell aus.

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erstellt am 31.Jan.2014 | 06:42 Uhr

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