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Strauss Innovation : Kaufhaus-Krise ohne Ende

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Die Modekette Strauss Innovation steht am Rande der Pleite und sucht Zuflucht in einem Schutzschirmverfahren. Das gesamte Modell Kaufhaus scheint zu wackeln.

Schleswig/Düsseldorf | Das Wetter hat vielen Einzelhändlern im vergangenen Jahr die Geschäfte verhagelt: Erst zu kalt, dann zu warm – und immer passten die Sortimente nicht. Die bekannte Mode- und Lifestyle-Kette Strauss Innovation ist nun zum Opfer dieser Wetterkapriolen geworden. Gestern beantragte das Unternehmen, das unter anderem auch Filialen in Schleswig und Pinneberg unterhält, wegen der kräftigen Geschäftseinbrüche und schmerzhafter Verluste beim Düsseldorfer Amtsgericht ein Schutzschirmverfahren. Das Unternehmen wird damit vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt, ohne die Geschäfte einem Insolvenzverwalter zu überlassen. Der Vorstand kann das Unternehmen weiter verantwortlich lenken. Die Geschäfte laufen weiter. Ziel des Managements: Das Unternehmen auf diesem Wege wieder auf Kurs zu bringen und wettbewerbsfähig zu machen. Käme es zur Insolvenz, müssten 1400 Mitarbeiter bei dem Unternehmen um ihre Jobs zittern. Jeweils zehn Mitarbeiter sind es pro Filiale in Schleswig-Holstein.

Die Unbill des Wetters ist dabei nur eine Seite der Medaille. Bei dem über 100 Jahre alten Unternehmen läuft es schon länger nicht mehr rund. Dabei hatte der Einzelhändler, der zuvor mit einem Programm von Kleidung, Schuhen, Möbeln, Wohntextilien, Süß- und Dekowaren als Mode- und Lifestyle-Kette reüssierte, eine Nische fest besetzt. Doch ähnlich wie Karstadt – dessen Management zuletzt die Schließung zahlreicher Standorte nicht mehr ausschloss – steht auch das Warenhaus-Konzept von Strauss Innovation durch den zunehmenden Konkurrenz-Druck unter Beschuss. Die Warenhäuser seien mal Heilsbringer für alles gewesen, erläutert der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nord, Dierk Böckenholt, in Kiel die Situation. Mit dem Aufkommen von Discountern und Shopping-Centern habe sich das geändert. „Warenhäuser haben einen deutlich schwierigeren Stand im Markt“, sagt er. Jede Abteilung müsse mit ganz vielen anderen Anbietern – Fachhändlern und Discountern gleichermaßen – konkurrieren. Explizit betont Böckenholt dabei, dass Warenhäuser eine Zukunft haben können.

Neben dem Wandel der Zeit wurde Strauss Innovation zuletzt auch eine anhaltende Rabattitis zum Verhängnis. Mit Rabattaktionen wollte das Unternehmen Jahr für Jahr auf das herausfordernde Wettbewerbsumfeld reagieren – und senkte so Erlöse und Gewinn immer weiter.

Dabei hatte sich das Unternehmen 2009 ein umfangreiches Umbauprogramm verordnet. Unrentable Standorte kamen auf den Prüfstand, einige wurden geschlossen. Heute sind es noch 96 Filialen – und die Zahl könnte weiter sinken. Die Sortimentsstrategie sollte überarbeitet werden und wieder qualitativ hochwertige und innovative Produkte ins Verkaufsprogramm kommen. Paula Minowa, die seit gut eineinhalb Jahren an der Spitze von Strauss Innovation steht, will die bestehenden Filialen auf Modernisierung trimmen. Ein neues Store-Konzept soll für mehr Kauflaune sorgen.

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erstellt am 31.01.2014 | 06:30 Uhr

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