Neuer Autohaus-Eigentümer : Kath-Käufer wirbt um Vertrauen

Das Autohaus in Rendsburg.
Das Autohaus in Rendsburg.

Die Schweizer Frey-Gruppe will mit der Übernahme wieder zum Marktführer im Norden aufsteigen. Alle 700 Mitarbeiter bleiben.

Margret Kiosz von
04. Mai 2015, 19:39 Uhr

Die Weichen sind wieder auf Wachstum gestellt: Seitdem die Kath-Autohäuser im Januar unter das Dach der Schweizer Frey-Gruppe gefahren sind, bemüht man sich an den neun Standorten in Schleswig-Holstein und Hamburg offenbar mit Erfolg darum, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

„Wir wollen wachsen und Arbeitsplätze in der Region schaffen“, bekräftigte Frey-Geschäftsführer Rudolf Wohlfahrt gestern in Kiel. 2011 war es zum Zerwürfnis mit VW und Audi gekommen. Volkswagen hatte der Gruppe sogar die Händlerlizenz für den Standort Rendsburg entzogen. Inzwischen ist man mit den Wolfsburgern wieder im Reinen. „Bereits drei Tage nach der Übernahme war die Lizenz wieder erteilt“, so Wohlfahrt. Mit Audi sei man noch am Verhandeln, die Kooperation mit Skoda laufe gut. Das Geschäft mit Seat soll wieder flott gemacht werden, kündigte er an.

Gemessen an Um- und Absatzvolumen gehört die Schweizer Frey-Gruppe zu den Größten der Branche. Doch Größe allein ist für die Gruppe nicht alles. Wichtig sei vor allem, dass die Philosophie des Familienunternehmens jetzt auch im Norden implementiert wird. Und die lautet: „Nur wenn bei Mitarbeitern und Kunden die Zufriedenheit dauerhaft gewährleistet ist, kann der unternehmerische Erfolg nachhaltig gesichert werden“, so Wohlfahrt.

Seit Jahren expandiert die Frey-Gruppe durch Aufkauf von Autohäusern kräftig. Mit dem Neuerwerb im Norden setze man diese Tradition fort und schreibe schon jetzt schwarze Zahlen. „Wir sind schließlich keine Hasardeure, wir kaufen keinen maroden Betrieb“, betont Wohlfahrt – räumt aber ein, den Schaden, den die Kath-Gruppe durch juristische Turbulenzen im Zusammenhang mit der Abwrackprämie erlitt, wohl doch unterschätzt zu haben.

„Viele Kunden haben Vertrauen verloren und sind abgewandert – die gilt es jetzt zurückzugewinnen“, so die Devise der neuen Geschäftsführer in der Rendsburger Unternehmenszentrale, Andrea Schmelz und Christoph Grab. Auch Firmen und Behörden fassen inzwischen wieder Zutrauen. „Post und Polizei kommen mit ihren Flotten zurück.“

Wie stark der Vertrauensverlust der Firma zugesetzt hatte, lässt sich an den Jahresumsätzen ablesen. Von einst 250 Millionen bleiben kurz vor der Übernahme nur noch 170 Millionen übrig. Ziel ist es laut Wohlfahrt, ,,wieder die Besten im Norden zu werden und in diesem Jahr 9000 Autos zu verkaufen“ – 2013 waren es nur 7000.

Ganz leicht wird das nicht, da der Automobilmarkt in Deutschland auf der Stelle tritt. „Mit drei Millionen verkauften Wagen ist die Marktsättigung längst erreicht, jetzt geht es nur noch um Markenverdrängung“, analysiert der Autoexperte Wohlfahrt. Wenn neue Modelle zwei Monate nach der Markteinführung mit zehn bis 20 Prozent Rabatt verkauft würden, sei das ein eindeutiger Beweis, „dass zu viel Ware am Markt ist“ und die deutsche Autoindustrie unter Überkapazitäten leide.

Trotzdem ist man zuversichtlich, hat alle 700 Mitarbeiter und Auszubildenden in Rendsburg, Bordesholm, Flensburg, Henstedt-Ulzburg, Husum, Kaltenkirchen, Kiel, Hamburg und Preetz übernommen und führt auch die drei Karosserie- und Lackzentren erfolgreich weiter. Als selbstständige Einheit muss die Kath-Gruppe ihre Investitionen zwar auch künftig selbst erwirtschaften, hat zugleich aber auch die Gewissheit, dass die Unternehmensmutter sie nicht auslutscht und kein Geld abzieht. „Das ist das Beste, was uns passieren konnte“, meinte gestern ein leitender Mitarbeiter. Die Belegschaft sei „höchst motiviert und wieder zuversichtlich“.

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