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Europas nördlichste Zuchtregion : Karpfen-Saison startet in SH

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Das traditionelle Abfischen der Karpfen aus künstlichen Teichen und natürlichen Seen hat begonnen. Schleswig-Holstein gilt als Europas nördlichste Zuchtregion für Karpfen.

Sarlhusen | In Schleswig-Holstein ist die traditionelle Karpfen-Saison gestartet. Die ersten reifen Exemplare der diesjährigen Spiegelkarpfen werden jetzt aus den Teichen und Binnenseen geholt. Schleswig-Holsteins Binnenfischer erwarten, rund 200 Tonnen des Edelfisches zu ernten, sagte Fischwirtschaftsmeister Gunnar Reese in Sarlhusen (Kreis Steinburg). Schleswig-Holstein ist das nördlichste Produktionsgebiet für Karpfen in Mitteleuropa.

Der Karpfen kommt ursprünglich aus Asien. Er wurde schon von den alten Römern geschätzt. Im Mittelalter verbreiteten Mönche den Fisch bis nach Nordeuropa. Heute gilt der Karpfen weltweit als wichtigster Fisch für die Teichwirtschaft und wird sogar in Sibirien, Nord- und Südamerika, Südafrika und Neuseeland gezüchtet.

Die Nachfrage nach Karpfen sei in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Dazu kommt die Konkurrenz aus den östlichen Bundesländern sowie Importe aus osteuropäischen Ländern. Der „Holsteiner Karpfen“ ist jedoch als regionale Spezialität seit 2007 von der EU anerkannt und genießt Herkunftsschutz. Die Fische wachsen in dem relativ rauen Klima langsamer als in den südlicheren Regionen.

Dadurch bekommen sie ein qualitativ hochwertiges und festes Fleisch, sagte Reese. Verbraucher zahlen für den norddeutschen Karpfen in diesem Jahr einen Kilopreis von ungefähr 7,50 Euro.

Das Einbringen der Fischernte bedeutet auch im Zeitalter der Industrialisierung noch schwerste körperliche Arbeit. Wenn das halbe Dutzend Männer das engmaschige Netz durch den Teich zieht, zerrt an den Fäusten und Armen der Arbeiter rund eine Tonne zappelnder Fisch.

Maschinen könnten nur in Ausnahmefällen die harte Knochenarbeit unterstützen, sagte Reese. Jeder Fischteich habe seine eigene Struktur. „Die Jahrhunderte alten Teiche sind meist großflächige Gebiete, in denen man früher mit der normalen Landwirtschaft nichts anfangen konnte. Die nassen Flächen wurden dann einfach ganz unter Wasser gesetzt.“ Eine industrielle Bewirtschaftung der Seen und Teiche sei unrentabel, sagte Reese.

Die schleswig-holsteinischen Karpfen wachsen auf natürlicher Basis heran. Zugefüttert wird lediglich Getreide. Die Fische erreichen ihre Schlachtreife im Alter von drei bis vier Jahren bei einem Gewicht von gut zwei Kilogramm. Begehrt in Schleswig-Holstein sind jedoch auch Prachtexemplare, die zehn bis 20 Jahre alt, bis zu 70 Zentimeter lang und rund zehn Kilo schwer werden. Solche „Riesen“ werden vor allem aus dem Selenter See geholt.

Neben den traditionellen, frisch geschlachteten oder geräucherten Karpfen werden in Schleswig-Holstein zunehmend auch Filets der Tiere nachgefragt. Da hierbei die sogenannten Y-Gräten nicht entfernt werden können, werden sie in Millimeter kleine Teile zerschnitten: „Man nimmt die Gräten beim Essen nicht mehr wahr“, erklärte Reese.

„Im Gegensatz zum Stör oder zu Forellen, bei denen Rogen und Milch (Eier und Samen) per Hand abgestreift und dann in Behältern erbrütet werden, laichen Karpfen üblicherweise auf natürliche Art in einem Naturgewässer ab“, sagte Sabine Schwarten, die Vorsitzende vom Verband der Binnenfischerei und Teichwirtschaft. Der Karpfen gilt im Winter während der Fisch-Gourmetmonate mit dem „er“ am Ende als beliebte Delikatesse in Restaurants und Haushalten.

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erstellt am 12.Okt.2015 | 07:07 Uhr

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