Gläubigerversammlung : Kampf um Prokon: „Spielregeln wie vor Gericht“

Ein Prokon-Windrädchen. Für das Itzehoer Unternehmen wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.
Ein Prokon-Windrädchen. Für das Itzehoer Unternehmen wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

In der Hamburger Messehalle ist Platz für 10.000 Menschen. 75.000 Anleger dürften den Großteil ihres Kapitals verlieren.

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21. Juli 2014, 16:56 Uhr

Itzehoe | Tausende Gläubiger des zahlungsunfähigen Windenergieunternehmens Prokon stimmen am Dienstag über ein vorläufiges Sanierungskonzept ab. Dazu hat das Amtsgericht Itzehoe eine nicht öffentliche Gläubigerversammlung in einer Hamburger Messehalle anberaumt - mit Platz für mehr als 10.000 Menschen. „Bei der Versammlung gelten die gleichen Spielregeln wie vor Gericht“, sagte eine Gerichtssprecherin am Montag. Seit Wochen tobt ein Kampf in der Öffentlichkeit zwischen Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus und dem Insolvenzverwalter, dem Hamburger Rechtsanwalt Dietmar Penzlin.

Rund 75.000 Gläubiger hatten rund 1,4 Milliarden Euro über Genussrechte in der heute überschuldeten Firma angelegt. Sie dürften ein Großteil ihres Kapitals verlieren. Wie viele Anleger zu der nicht öffentlichen Versammlung kommen werden, ist offen. Die Teilnehmer sollen dem Insolvenzverwalter den Auftrag erteilen, den Sanierungsplan auszuarbeiten. Anfang 2015 wird dann endgültig darüber abgestimmt.

Um die Stimmrechte gab es bis zuletzt heftiges Gezerre. Rodbertus, der von dem Insolvenzverwalter fristlos entlassene Chef der Prokon Regenerative Energien GmbH, begehrte gegen Penzlin auf. Rodbertus versucht seinerseits alles, um Penzlin zu entmachten. „Inhalt und Form der Vorhaltungen von Herrn Rodbertus werden immer unsachlicher. Ich werde hierzu derzeit keine Stellung mehr beziehen“, teilte Penzlin am Montag mit.

Rodbertus will sein insolventes Unternehmen als Ganzes erhalten und wirbt über die „Arbeitsgemeinschaft für eine lebenswerte Zukunft von Prokon“ für seine Pläne und um Vollmachten. Mehr als 12.000 Anleger mit deutlich mehr als 200 Millionen Euro will er auf seiner Seite haben. Als Gegenpart agiert der Verein „Freunde von Prokon“ mit rund 9500 Mitgliedern, der sich von Rodbertus losgesagt hat. Dieser Verein gibt das von ihm vertretene Kapital mit rund 270 Millionen Euro an. Andere Kapitalgeber kommen entweder selbst, bleiben weg oder lassen sich von Anlegerschützern vertreten.

Auf rund 75 Millionen Euro hatte Penzlin die Forderungen von Banken, Lieferanten und Sozialversicherungen gegenüber Prokon beziffert. Die Summe der gekündigten Genussrechte lag bei rund 400 Millionen Euro und brachte das Unternehmen in finanzielle Schieflage, weil es diese Anteile nicht zurückzahlen konnte.

Bei Penzlin sind mittlerweile 35.000 Forderungsformulare eingegangen. Der Insolvenzverwalter will das Kerngeschäft des Windparkbetreibers und rund 300 Arbeitsplätze von ehemals 450 erhalten. Penzlin hatte von nicht testierten Prokon-Jahresabschlüssen, ungeprüften und unbesicherten Krediten in Millionenhöhe sowie Anhaltspunkten für eine Insolvenzverschleppung berichtet. Am Dienstag erläutert er den Gläubigern Eckpunkte seines Sanierungskonzepts. Es sieht vor, Unternehmensteile und Beteiligungen zu verkaufen und damit Forderungen zu begleichen. Bisherige Genussrechtsinhaber sollen aber auch in Zukunft an der Firma beteiligt bleiben können. „Herr Rodbertus hat zu keinem Zeitpunkt ein eigenes Konzept vorgelegt“, sagte Penzlin der dpa.

Bei der Versammlung muss mehr als die Hälfte des anwesenden und vertretenen Genussrechtskapitals den Plänen des Insolvenzverwalters zustimmen. Für einen geordneten Ablauf der Veranstaltung sollen Ordner und Justizbedienstete aus Schleswig-Holstein sorgen. So muss sich jeder Genussrechteinhaber zu Beginn entsprechend ausweisen. Eine Rechtspflegerin leitet die Veranstaltung. Der Insolvenzverwalter berichtet zur Lage und skizziert die geplante Entwicklung des Unternehmens. Anschließend wird Ex-Chef Rodbertus Gelegenheit zur Stellungnahme haben. Üblicherweise folgt dann eine Aussprache mit Fragen der Gläubiger und Antworten der Insolvenzverwaltung. Zum Schluss sollen die Gläubiger über den künftigen Insolvenzverwalter und den Gläubigerausschuss abstimmen und den Auftrag für den Insolvenzplan erteilen.

„Die Wahl eines neuen Insolvenzverwalters brächte für die Gläubiger erhebliche zusätzliche Kosten. Die Möglichkeit einer Neuwahl ist aber auch Ausdruck der gesetzlichen Gläubigerautonomie“, erklärte Penzlin.

Ob sich ein weiterer Insolvenzverwalter zu Wahl stellen wird, ist bisher nicht bekannt. „Meine Aufgabe ist es, ganz einfach gesagt, das bestmögliche Ergebnis für die Gläubiger zu erwirtschaften“, ergänzte Penzlin. Er hat in Aussicht gestellt, dass Gläubiger etwa 30 bis 60 Prozent (Insolvenzquote) ihrer Forderungen zurückbekommen könnten.

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