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Ländlicher Raum : Jahr der Entscheidung für Zukunft der Dörfer

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Landidylle oder Geisterdorf – der demografische Wandel wird das Leben auf dem Lande in SH verändern. Fragt sich nur wie.

shz.de von
erstellt am 02.Jan.2014 | 20:02 Uhr

Kiel | Die Küstenkoalition will das neue Jahr zum „Jahr der ländlichen Räume“ machen. „Wir haben eine strategische Weichenstellung vor uns“, sagte Vize-Ministerpräsident Robert Habeck gegenüber dem sh:z. „Schleswig-Holstein muss Antworten geben, wie sich Lebensqualität und Wohlstand in den Dörfern sichern oder wiederherstellen lassen“, unterstrich der Grünen-Politiker. Er verantwortet neben den Ressorts Energiewende, Umwelt und Landwirtschaft auch die Zuständigkeit für die ländliche Entwicklung. Die Herausforderungen für den ländlichen Raum bezeichnete Habeck angesichts des demografischen Wandels als „titanisch“.

Als Initialzündung für die Aufbruchstimmung nimmt der Minister einen unverhofften Geldsegen aus Brüssel. Nachdem Verhandlungen zunächst auf EU-Ebene und dann in der deutschen Agrarministerkonferenz zum Abschluss gebracht sind, steht fest: Schleswig-Holstein kann von 2015 bis 2021 mehr Geld denn je für den ländlichen Raum einsetzen. Das gelang unter anderem durch Umschichtungen aus dem Topf für Direktzahlungen an die Bauern in breiter gefasste Programme. Die Summe darin steigt im Vergleich zur vorherigen siebenjährigen Förderperiode um gut ein Drittel – von 300 auf 420 Millionen Euro. „Damit können wir erstmals in einer erklecklichen Dimension Schwerpunkte setzen, die über die klassische Landwirtschafts- und Naturschutzpolitik hinausgehen“, kündigte Habeck an. Einen besonderen Akzent werde die Landesregierung auf die Bildung legen. Aber auch Breitbandausbau, Gesundheitsvorsorge, regionale Wertschöpfung durch Direktvermarktung und -verwertung oder Tourismus sollten einen höheren Stellenwert erhalten.

Reformbedarf sieht Habeck bei der Arbeit der 21 Aktivregionen. An sie wird das meiste Geld aus den Töpfen zur Förderung des ländlichen Raumes für konkrete Projekte weitergereicht. „Auch die Kommunen und mit ihnen die Aktivregionen sind aufgefordert, noch einmal zu schauen, ob alles, was sie bisher gemacht haben, so richtig ist“, sagte Habeck. Manche Projekte der Aktivregionen verlieren sich nach Ansicht des Ministers zu sehr in Einzelmaßnahmen. Sie fügten sich zu wenig zu Strategien zusammen.

Vom Diskurs über die künftige Gestaltung der ländlichen Gebiete erhofft sich der Politiker auch Impulse für mehr Zusammenhalt. Die Debatte um den Knickschutz oder die Tierhaltung hätten ihm gezeigt, „dass manche Akteure auf dem Land einander fremd geworden sind“. Habeck folgert daraus: „Wir haben zu lange um den heißen Brei herumgeredet. Wir brauchen keine Wohlfühlveranstaltungen, sondern solche, bei denen man sich ins Gesicht sagt, was man will und was nicht.“ 

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