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Betongold : Investoren haben Mietwohnungen in SH im Visier

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Unternehmen kauften in den letzten Jahren mehr als 209.000 Wohnungen in SH – das toppt kaum ein anderes Bundesland.

shz.de von
erstellt am 19.Apr.2017 | 10:42 Uhr

Kiel | In den vergangenen Jahren haben Unternehmen und Investmentgesellschaften in Schleswig-Holstein Mietwohnungen in so großem Stil angekauft wie sonst in kaum einem anderen Bundesland. Allein bei den größeren Deals, bei denen Wohnungen in ganzen Paketen verkauft wurden, haben mehr als 209.000 Wohneinheiten den Besitzer gewechselt.

Pro Kopf ist das der mit Abstand höchste Wert unter allen Flächenländern. Das zeigen Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn, die dem sh:z vorliegen. Das BBSR berücksichtigt dabei alle Transaktionen mit mehr als 800 Wohneinheiten von 1999 bis 2016. In absoluten Zahlen liegen in dieser Zeit nur Berlin, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen noch vor Schleswig-Holstein – wobei alle vier Länder deutlich mehr Einwohner haben als das nördlichste Bundesland.

Beim Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), der mehr als 300 Wohnungsgenossenschaften und private Wohnungsunternehmen vertritt, erklärt Andreas Breitner diese Zahlen vor allem mit der Historie. „In Schleswig-Holstein wurden schon früh Wohnungsbestände privatisiert“, sagt er. „Akteure, die bis dahin am Wohnungsmarkt aktiv waren, sahen dafür keinen Grund mehr.“ Breitner verweist auf den Beginn der 90er-Jahre, als die HDW sich von 10.000 Kieler Werkswohnungen getrennt hat und auch die kommunale Kieler KWG und andere ihre Bestände veräußerten. „Seither hat vieles mehrfach den Eigentümer gewechselt. Nicht immer zum Vorteil der Bestände und der Mieter.“

Der Mieterbund Schleswig-Holstein beklagt besonders die Anonymität, die damit Einzug zwischen Mieter und Vermieter gehalten hat. Für Mieter gebe es, so berichtet Geschäftsführerin Heidrun Clausen, „große Schwierigkeiten bei der Durchsetzung von Gegenleistungen“.

Bis heute geht das Kaufen und Verkaufen munter weiter. Allein bei den großen Transaktionen wurden vergangenes Jahr 7400 Wohneinheiten im Land verkauft – nur in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Sachsen waren es mehr.

Für Investoren rückt Schleswig-Holstein auch wegen seiner wachsenden Bevölkerung in den Fokus. So müssten allein bis 2019 laut Landesregierung jährlich im Schnitt 16.000 neue Wohnungen entstehen, um den Bedarf zu decken. Zuletzt wurden jedoch im Schnitt nur rund 10.000 fertiggestellt. Dieses Missverhältnis hat Folgen – zumal in Zeiten niedriger Zinsen auch private Käufer ihr Geld in Betongold im Norden investieren wollen. „Die Preise haben schon ordentlich angezogen“, sagt Carsten Henningsen vom Immobilienverband Nord. Und das Angebot in den gefragten Lagen wird knapper. Inzwischen liege es 30 bis 35 Prozent niedriger als vor ein paar Jahren, so Henningsen.

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