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Schuldner-Atlas 2015 : Interaktive Karte: Wo die meisten verschuldeten Schleswig-Holsteiner leben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

253.242 Einwohner in SH können finanziellen Forderungen nicht mehr nachkommen. Eine Karte zeigt regionale Unterschiede.

shz.de von
erstellt am 29.Jan.2016 | 10:09 Uhr

Flensburg | Etwa zehn Prozent der Schleswig-Holsteiner stecken in der Schuldenfalle. 253.242 Personen können derzeit langfristig die Forderungen mehrerer Gläubiger nicht bedienen. Das geht aus Daten der Auskunftei Creditreform hervor. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl zwar gesunken - 2014 waren es 4300 (0,2 Prozent) Verbraucher weniger - eine spürbare Trendwende sei diese hauchdünne Abnahme allerdings nicht. Zumal der Blick in die Zukunft nicht rosig aussieht.

Es passiert schneller als gedacht: Offene Handyrechnungen, die Küche auf Pump und am Ende des Lohnes ist noch viel Monat übrig. Verlockende Finanzierungsmodelle sind allerdings nicht die einzigen Risiken, sich zu verschulden.

Wie sieht die aktuelle private Überschuldung aus? Welche Entwicklungen sind zu erwarten? Die Antworten auf beide Fragen beinhalten schlechte Nachrichten. Denn die anhaltend günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie eine niedrige Zahl von Arbeitslosen und Wirtschaftswachstum konnten nicht genutzt werden, um eine hohe Quote von überschuldeten Erwachsenen in Schleswig-Holstein abzubauen.

Einwanderern droht die Schuldenfalle

 

Die zunehmende Zahl von Einwanderern wird in Zukunft eine größere Rolle spielen, auch wenn sie noch nicht genau . „Konsum ist zwangsweise ein Teil der Integration von Zuwanderern – das wird uns in den kommenden Jahren beschäftigen“, sagt Michael Bretz, Leiter der Wirtschaftsforschung der Creditreform Deutschland. Am Donnerstag stellte Bretz in der Flensburger Dependance der Wirtschaftsauskunftei den Schuldner-Atlas für Schleswig-Holstein und Deutschland vor. „Viele Flüchtlinge werden bleiben und intensiv konsumieren“, vermutet Bretz. Durch die Finanzierung von Fernsehern, Möbeln, Smartphones oder Autos durch Konsumkredite dürften viele Einwanderer in die private Schuldenfalle tappen, zumal die meisten von ihnen nur über geringe Einkünfte verfügen werden. „Es ist nur verständlich, dass der Blick auf den hohen Lebensstandard im Land Konsumwünsche weckt“, sagt Bretz.

„Ob Mobilfunkunternehmen oder Elektromärkte – viele unserer großen Kunden aus unterschiedlichen Branchen überlegen bereits, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen“, sagt Sven Torben Hanisch, Geschäftsführender Gesellschafter der Creditreform in Flensburg und Neumünster. Generell könne und dürfe man Zuwanderern den Kauf von Konsumartikeln auf Pump nicht verwehren, betonte Michael Bretz.

Weitere Risikofaktoren für die private Überschuldung sehen die Experten durch eine massive Zuname der Altersarmut, höhere Versicherungskosten und wieder steigende Energiepreise.

Wo die Gefahr der Schuldenfalle am größten ist

Die höchste Quote von Verbrauchern in extremer Finanznot gibt es in den 15 Kreisen und kreisfreien Städten des Landes nach einer erneuten Zunahme von 0,15 Prozent mit 17,1 Prozent in Neumünster. Auf 32,4 Prozent kletterte dort gar die Quote für den Bereich Innenstadt. „Das ist bundesweit ein Extremwert“, sagte Bretz.

Hohe Quoten gibt es zudem in Flensburg (16,2 Prozent, im Vorjahr 16,4 Prozent), Lübeck (15,3/15,6), Dithmarschen (12,4/12,8) und Kiel (12,2 /12). Die wenigsten Überschuldeten gibt es in Stormarn (7,6/7,9), Plön (8,6/8,9) und Rendsburg-Eckernförde (9/ 9,2).

Den höchsten Rückgang mit einem Minus von gut 0,6 Prozent hat Nordfriesland mit einer aktuellen Schuldnerquote von 9,7 Prozent. Überdurchschnittlich auch die Abnahme um 0,56 Prozent im Kreis Herzogtum Lauenburg auf ebenfalls 9,7 Prozent. „Auffällig sind die geringen Quoten im Hamburger Speckgürtel“, sagt Sven Torben Hanisch. Dort komme es in vielen Haushalten zu der günstigen Kombination hohes Lohn-Niveau durch einen Job in Hamburg und relativ niedrige Lebenshaltungskosten durch das Wohnen in Schleswig-Holstein.

Im Ranking der 16 Bundesländer liegt Schleswig-Holstein mit einer Quote von 10,8 Prozent auf dem elften Platz. Die wenigsten Überschuldeten gibt es in Bayern (7,1 Prozent), die meisten in Bremen (14,1 Prozent). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 9,9 Prozent, das entspricht 6,72 Millionen Schuldnern und einem Schuldenvolumen von 228 Milliarden Euro. Deutschlandweit ist die Überschuldung von Privatpersonen 2015 zum zweiten Mal in Folge, wenn auch nur leicht, angestiegen. 6,7 Millionen Bürger über 18 Jahre weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf.

Wann gilt man als überschuldet?

Als überschuldet gilt eine Person, wenn deren Einkommen nicht mehr ausreicht, in absehbarer Zeit Rechnungen oder Kredite zu begleichen bzw. zu bedienen. Die Experten von Creditreform sprechen dann von „schweren Zahlungsstörungen“, die ihnen die Kreditinstitute oder Versandhäuser melden. Vor allem die Fälle, mit so genannten „harten Negativmerkmalen“ nehmen zu, sagte Geschäftsführer Philipp Böhme. Übersetzt heiße das: „Wenn überschuldet, dann richtig.“

 
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