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„Ordentliche Erträge“ : In Schleswig-Holstein ist die Ernte noch am besten

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach dem Rekord-Vorjahr sind die Erträge auf den Feldern bundesweit rückläufig. Zudem setzt der gesättigte Weltmarkt die Preise unter Druck.

Kiel | Schleswig-Holstein kommt bei der Ernte bundesweit noch am besten weg. Nur zwischen Nord- und Ostsee sowie im äußersten Süden Baden-Württembergs und Bayerns konnten die Landwirte „ordentliche Erträge einfahren“. Diese Bilanz zieht der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied. Die Landwirtschaftskammer in Rendsburg bestätigt die Ausnahme-Situation Schleswig-Holsteins. Dennoch verzeichnet sie Einbrüche gegenüber der letzten Saison – die wegen des ungewöhnlich guten Wetters indes ein Rekordjahr war. „Für Schleswig-Holstein wird 2015 ein durchschnittliches Erntejahr“, sagt Kammer-Sprecherin Daniela Rixen. Sie richtet sich auf eine um etwa acht Prozent niedrigere Menge als 2014 ein. Rukwied nennt bundesweit ein Minus um elf Prozent.

Die Endabrechnung für Schleswig-Holstein wollen die Agrarbranche und Landwirtschaftsminister Robert Habeck erst bei einem „Ernte-Abschlusstermin“ am 25. August vorstellen – schließlich laufen die Arbeiten auf den Feldern noch. Der Weizen, die wichtigste Feldfrucht im Norden, ist laut Rixen erst zu 60 Prozent eingefahren; Montag und Dienstag standen die Maschinen auf Grund des vielfach starken Regens still. Raps und Gerste hingegen sind bis auf winzige Ausnahmen in der Marsch abgeerntet – und bei der Gerste kann die Landwirtschaftskammer ihre Prognose von Mitte Juli sogar „einen Tick nach oben korrigieren“. Seinerzeit waren vier Prozent weniger Ertrag als 2014 erwartet worden.

Beim Winterraps sieht es schlechter aus. „Da schwanken die Erträge ganz extrem“, sagt Rixen. Sie reichten von 30 bis zu 55 Dezi–Tonnen pro Hektar – je nachdem, wo Schädlinge wie die Kleine Kohlfliege oder der Rapserdfloh zugeschlagen haben. Die Kammer rät den Bauern, die jetzt anstehende Neuaussaat des Raps noch einige Tage hinauszuzögern. Das könne dazu beitragen, das Risiko für einen neuerlichen Befall zu verringern. In einer Zwischenbilanz im Juli hatte die Kammer beim Raps im Durchschnitt gar Einbrüche um 18 Prozent befürchtet. Ganz so arg sei es aber nicht gekommen, meint der Sprecher des Landes-Bauernverbands, Klaus Dahmke. Er beobachtet beim Raps „leicht unterdurchschnittliche“ Werte.

Während der Bauernverband für die meisten Teile Deutschlands als Ursache der Ernterückgänge große Trockenheit beklagt, gab es die im Norden allenfalls im Raum Lübeck. „Im Großen und Ganzen hatten wir immer noch wieder rechtzeitig Niederschläge in ausreichenden Mengen“, sagt Kammer-Sprecherin Rixen. Wegen eines eher kalten Frühjahrs und mauer Wetterbedingungen in weiten Teilen des Juni sei das Wachstum der Pflanzen langsamer als normalerweise fortgeschritten. „Deshalb ist die Ernte relativ spät gestartet und wird auch vergleichsweise spät zu Ende sein.“ Dahmke zeigt sich bei den bisher gedroschenen Getreidesorten in Schleswig-Holstein „mit Menge und Qualität zufrieden“. Allerdings könne vor dem Abschluss der Weizen-Ernte nur von einer Zwischenbilanz die Rede sein. Viel hänge davon ab, ob es den Rest des Monats trocken bleibe. Neuerlicher ergiebiger Regen bekäme dem noch stehenden Weizen nicht.

Trotz der geringeren Erntemenge erwartet der Getreidemarkt-Experte der Landwirtschaftskammer, Karsten Hoeck, keine steigenden Erlöse für die Bauern – im Gegenteil. „Der Preis wird am Weltmarkt gemacht, da sind ein paar Prozent weniger Menge in Deutschland nicht so erheblich“, erklärt Hoeck. Er sieht die Preise „unter Druck, denn global deutet alles auf eine Rekord-Ernte. Die USA, das russische Schwarzmeer-Gebiet, Frankreich – alle haben bereits steigende Erträge vermeldet. Hoeck erwartet, dass viele schleswig-holsteinische Bauern abwarten, ob sich im weiteren Verlauf des Jahres international bessere Getreidepreise erzielen lassen als derzeit. Momentan bringt ihnen eine Tonne Brotweizen 155, eine Tonne Gerste 138 und eine Tonne Raps 350 Euro. Das ist beim Korn leicht weniger, beim Raps deutlich mehr als im Vorjahr.

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erstellt am 19.Aug.2015 | 08:13 Uhr

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