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Immer mehr Anleger ziehen Geld von Prokon ab

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2014 | 18:19 Uhr

Es wird eng für den Ökofinanzierer Prokon. Trotz massiven Drucks auf seine 75 000 Anleger, kein Kapital abzuziehen und bestehende Kündigungen rückgängig zu machen, wurden bis gestern Genussrechte in Höhe von 187,7 Millionen Euro gekündigt. Das teilte das Unternehmen auf seiner Homepage mit. Damit wird das von Prokon selbst als überlebenswichtig angegebene Limit von 95 Prozent des gesamten Genussrechtekapitals (1,4 Milliarden Euro) deutlich unterschritten. Fünf Prozent von 1,4 Milliarden Euro wären
70 Millionen Euro. Die zurzeit gekündigten knapp 188 Millionen Euro machen gut 13 Prozent des Kapitals aus. Dabei ist – wie mehrere Fachleute versichern – derzeit eine Kündigung gar nicht notwendig. Sie erhöhe nur das Insolvenzrisiko, ohne die eigene Forderungsposition zu verbessern. Genussscheine stehen nämlich im Gläubiger-Ranking ganz hinten. Daran ändere auch eine Kündigung nichts, betont zum Beispiel die Siegburger Fachkanzlei Göddecke und weist darauf hin, dass zunächst das Finanzamt, die Sozialkassen und danach Banken und Anleihegläubiger bedient werden.


Experten raten zur rechtlichen Prüfung


Auch Michael Herte von der Verbraucherzentrale in Kiel rät nicht dazu, jetzt noch zu kündigen. Wer jedoch schon gekündigt habe, solle unbedingt daran festhalten, „denn dieses ergibt eine fällige Forderung, die Grundlage für einen vollstreckbaren Titel ist“, so der Experte. Die Kanzlei Göddecke rät Anlegern, zudem zu prüfen, ob sie Schadensersatzansprüche gelten machen, etwa wegen des „Jonglierens mit Zahlen in der Anlegerkommunikation“. Ein zweiter Ansatzpunkt sei die Anfechtung der Genussscheinbedingungen. Vor Gericht könne geltend gemacht werden, „ dass Prokon den Anlegern intransparente Vertragsklauseln aufgetischt hat. Die Verträge sind dann unwirksam – und die Anleger haben bei der Verteilung der Insolvenzmasse automatisch bessere Karten“, so die Kanzlei. Nach Ansicht von Ökonomen krankt das System „Prokon“ daran, dass mit kurzfristig kündbarem Kapital langfristige Investitionen – etwa Windkraftanlagen – finanziert wurden. Auch gestern war in der Unternehmenszentrale in Itzehoe telefonisch niemand für einen Stellungnahme zu erreichen.

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