Im Norden fährt der erste Elektro-Bus

Avatar_shz von
03. Juli 2012, 03:59 Uhr

Pinneberg | Bei den erneuerbaren Energien gehörte Schleswig-Holstein zu den Vorreitern. Auch beim Thema der zukünftigen Mobilität will das Land zwischen den Meeren ganz vorne mit dabei sein. In Pinneberg läuft dafür derzeit ein deutschlandweit bislang einmaliges Projekt an. Die Kreisverkehrsgesellschaft in Pinneberg (KViP) wird vom Sommer dieses Jahres an einen Elektrobus in ihrem Linienverkehr zum Einsatz bringen. Das mit Strom angetriebene Fahrzeug stammt aus China, gebaut wird es dort vom größten privaten Autobauer der Volksrepublik, Build Your Dreams, kurz BYD. Nach Deutschland gebracht hat das Fahrzeug der Berliner Importeur Eurabus.

Bereits vor wenigen Wochen hatte die KViP das Fahrzeug im Norden präsentiert. "Das Fahrzeug ist aber schon ziemlich schnell nach der Präsentation nach Berlin gegangen", erklärt Thorsten Ziehm bei der KViP. "Wir haben es noch nicht im Linienbetrieb gehabt", so Ziehm. Ab Anfang August soll sich dies aber ändern. Bis dahin ist das Zwölf-Meter-Gefährt zurück im Norden und soll im normalen Betrieb laufen. Voll ausgestattet mit allen Standards sei es bereits.

250 Kilometer kann der Bus nach Herstellerangaben mit einer einzigen Akku-Ladung bewältigen. Ziehm hält diese Angaben für durchaus realistisch. Während das ständige Anhalten und Losfahren bei den üblichen Bussen den Sprit auffrisst, wirkt es sich beim E-Bus nach seiner Einschätzung positiv aus. Überschüssige Energie werde offenbar zurück in die Batterien gespeist. Aufgeladen werden die Akkus in fünfeinhalb Stunden. Mit einem Schnellverfahren soll der Wert sogar auf dreieinhalb Stunden sinken. Doch dafür benötigt Schleswig-Holstein noch die entsprechenden Leitungen. Netzausbau ist hier das Stichwort.

Doch nicht nur mit Elektrobussen will der Norden den Weg in die mobile Zukunft beschreiten. Immer mehr Gemeinden setzen auch auf Hybrid-Antriebe. Vergangenes Jahr hat Lübeck fünf Hybridbusse in seinem Stadtverkehr in Betrieb genommen. Gegenwärtig probt die Flensburger Gesellschaft "Aktiv Bus" den Einsatz von Hybridbussen.

Das E-Bus-Projekt aus Pinneberg ist aber nicht ohne wirtschaftspolitische Brisanz. Bereits jetzt ist klar, dass es nicht die einzige Gemeinde bleiben wird, in der mit Strom statt mit Sprit gefahren wird. Auch die Stadt Frankfurt hat in den vergangenen Monaten erste Elektrobusse bestellt - und auch sie sollen von BYD geliefert werden. Denn deutsche Hersteller haben keine vergleichbaren Angebote. BYD ist ursprünglich auf den Bau von Handy akkus spezialisiert gewesen. Seit acht Jahren ist die Firma aus der Metropole Shen zhen auch im Automobilbau aktiv, seit zwei Jahren baut sie die Elektrobusse.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen