Mehrzweckkampfschiff MKS 180 : IG Metall: Berlin muss Marine-Aufträge an deutsche Werften vergeben

Die Fregatte „Baden Württemberg“ (Baureihe F125) der Deutschen Marine liegt im Mai 2016 in Hamburg im Dock10 der Werft „Blohm+Voss“. Im Mittelpunkt der Gespräche steht die Unsicherheit über das Milliardenprojekt „Mehrzweckkampfschiff MKS 180“ und die Haltung der neuen Bundesregierung zur Werftenpolitik.

Die Unsicherheit über das Milliardenprojekt „Mehrzweckkampfschiff MKS 180“ erfordert eine Kurskorrektur der neuen Bundesregierung, sagt die IG Metall.

Die deutschen Werften können sich nur schwer gegen europäische Staatskonzerne behaupten. Berlin müsse einschreiten.

shz.de von
14. März 2018, 19:39 Uhr

Die IG Metall fordert von der neuen Bundesregierung schnelle Maßnahmen, um die Zukunft des Marineschiffbaus in Deutschland zu sichern. „Die Regierung muss den Bau von Überwasser-Marineschiffen als Schlüsseltechnologie einstufen, wie es die Parteien in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart haben“, forderte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, am Mittwoch nach einer Konferenz mit Betriebsräten aus der Branche in Hamburg.

Das würde die Möglichkeit eröffnen, auf ein europäisches Vergabeverfahren zu verzichten und die Wertschöpfungskette von der Konstruktion über den Bau bis zur Wartung in Deutschland zu erhalten. Hintergrund für die Forderung der Gewerkschaft ist die Neuordnung der europäischen Schiffbauindustrie und der Ausschluss der Werften Lürssen und TKMS aus dem Vergabeverfahren für das neue Mehrzweckkampfschiff MKS 180 für die deutsche Marine.

Dabei geht es um einen Auftragswert von mindestens 3,5 Milliarden Euro. Im Rennen um diesen Auftrag ist nun noch die Gruppe German Naval Yards aus Kiel und der niederländische Anbieter Damen Shipyards, der gemeinsam mit der Hamburger Werft Blohm+Voss bietet. In diesem Konsortium ist Blohm+Voss nicht Teil der Lürssen-Gruppe, die ja ausgeschlossen wurde.

„Es geht nicht um einen einzelnen Standort, der jetzt vielleicht einen Auftrag bekommt oder nicht“, betonte Geiken. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass Schlüsselqualifikationen in Deutschland verloren gingen. „Und wenn die einmal weg sind, dann kommen sie nicht mehr wieder.“ Die Regierung müsse die Frage beantworten, wie die künftige Rolle Deutschlands im europäischen Marineschiffbau aussehen solle. Kein Unternehmen könne es sich leisten, für zwei oder drei Jahre nicht benötigte Ingenieursleistung vorzuhalten, um sich dann wieder an einer Ausschreibung zu beteiligen. Der Marineschiffbau durchläuft gegenwärtig in Europa einen Prozess der Konsolidierung.

Mit dem Zusammenschluss der Werften STX France und Fincantieri ist ein französisch-italienischer Staatskonzern auf den Plan getreten, der die gesamte Produktpalette des militärischen und auch des zivilen Schiffbaus anbieten kann. Auch der staatliche spanische Konzern Navantia und die private Damen-Gruppe aus den Niederlanden stellen ein breites Produktspektrum her und sind deutlich größer als die deutschen Werften. „Unter den gegenwärtigen Wettbewerbsbedingungen ist keine sinnvolle Ausschreibung möglich“, sagte Geiken. Vielmehr müssten bei der Auftragsvergabe Arbeitspakete verteilt werden, die durchaus auch europäische Partner einbeziehen könnten.

In Deutschland werden in allen fünf Küstenländern Marineschiffe oder Teile davon oder Zulieferungen gebaut, von Wolgast bis Emden. Schwerpunkt sind Kiel, Hamburg und Bremen. Am Marineschiffbau in Deutschland hängen nach Schätzung der IG Metall Küste mehr als 10.000 Arbeitsplätze, davon 6000 auf den Werften in Norddeutschland. Das entspricht rund 40 Prozent der Beschäftigung. Die deutschen Schiffbaubetriebe sind weltweit erfolgreich mit Kreuzfahrtschiffen, Fähren und Spezialschiffen, aber kaum noch aktiv beim Bau von Handelsschiffen. So werden schon lange keine Containerschiffe mehr auf deutschen Werften gebaut.

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