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Wegen Online-Banking : Hypovereinsbank schließt in SH jede dritte Filiale

vom

Radikalkur bei der Hypovereinbank: 13 Filialen sollen schließen. Beratungsgespräche sollen per Videoschaltung stattfinden.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2014 | 14:43 Uhr

Flensburg/Kiel | Das Filialsterben bei den Kreditinstituten in Schleswig-Holstein geht weiter: Die Hypovereinsbank wird landesweit insgesamt 13 Zweigstellen schließen. Die bisher 41 Filialen im Land sollen auf 28 reduziert werden. Das erklärte eine Sprecherin der Hypovereinsbank gegenüber unserer Zeitung. Damit fällt jede dritte Hypovereinsbank-Filiale im Land der umfassenden Neustrukturierung des Privatkundengeschäfts zum Opfer.

Details darüber, welche Standorte konkret betroffen sein werden, wollte die Sprecherin nicht nennen. Fest steht allerdings, dass in Flensburg mindestens die Filiale Schleswiger Straße am 30. November schließt. Ebenso wird die Zweigstelle in Bargteheide (Kreis Stormarn) aufgegeben. Auch in Kiel und Rendsburg sollen nach Informationen unserer Zeitung Filialen zusammengelegt werden.

Die meisten der zur Disposition stehenden Standorte sind kleine Stadtteilfilialen, die nur mit wenigen Mitarbeitern besetzt sind. Nach Angaben des Unternehmens soll es im Zuge der Filialschließungen zunächst keinen Stellenabbau geben. Bundesweit will die Hypovereinsbank bis Ende kommenden Jahres 240 ihrer 580 Standorte schließen und im Privatkundengeschäft 1300 Stellen streichen.

Die Hypovereinsbank ist nicht das erste Kreditinstitut in Schleswig-Holstein, das sein Filialnetz ausdünnt – und sie wird nicht das letzte sein. Bereits Anfang des Jahres hat die Sparkasse Südholstein aus purer Not und um die Kosten zu senken elf von 47 Zweigstellen geschlossen. Mitte des Jahres kündigte die Nord-Ostsee-Sparkasse an, ihre 114 Standorte in Flensburg sowie den Kreisen Schleswig-Flensburg und Nordfriesland auf 95 reduzieren zu wollen – von 70 mitarbeitergeführten Zweigstellen sollen am Ende einer Neustrukturierung des Privatkundengeschäfts 40 übrig bleiben und in sogenannten Regionaldirektionen die Beratungskompetenz für die Kunden gebündelt werden. Die Hypovereinsbank geht einen ähnlichen Weg, legt bundesweit Filialen zusammen und reduziert die Zahl der Zweigstellen um fast die Hälfte. 

Der Grund für diese Radikalkur ist: Das Kundenverhalten ändert sich durch den technologischen Wandel rasant. Online-, Mobil- oder Telefon-Banking gewinnen schnell an Bedeutung. So verzeichnen die Kreditinstitute etwa beim Online-Banking die höchsten Zuwachsraten bei älteren Kunden, die aufs Rentenalter zugehen oder es bereits erreicht haben.

Routine-Bankgeschäfte wie das Geldabheben oder das Einsammeln der Kontoauszüge werden bevorzugt  am Automaten erledigt. Teure, mit Mitarbeitern besetzte Filialen verlieren bei den Kunden zunehmend an Bedeutung. Insbesondere Kleinst-Filialen mit ein oder zwei Mitarbeitern, die einst für einfache Bankdienstleistungen „um die Ecke“ eingerichtet wurden, werden überflüssig, die Mitarbeiter haben immer weniger zu tun. Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht für die Kreditinstitute nicht mehr auf.

Gleichzeitig wachsen bei komplexeren Finanzfragen die Ansprüche der Kunden hinsichtlich der Beratungsqualität. Bei der Geldanlage, Altersvorsorge oder Immobilien-Finanzierung  sind Experten gefragt – und nicht der Bankangestellte am Schalter. Die Kreditinstitute reagieren darauf mit Qualitätsoffensiven, der Qualifizierung von Mitarbeitern und der Konzentration von Expertise an zentralen Standorten. Das erfordert längere Anfahrtswege für Kunden –  wird aber offenbar akzeptiert. Gerade in ländlichen Regionen sind die Bewohner es gewohnt, sich selbst für Bedürfnisse des täglichen Bedarfs ins Auto zu setzen. Warum nicht auch für eine qualifizierte Beratung bei Bankgeschäften?

Die technologische Entwicklung und veränderte Kundengewohnheiten sorgen dafür, dass das Privatkundengeschäft von Banken und Sparkassen im Umbruch ist. Rund 300 Millionen Euro lässt sich die Hypovereinsbank den Wandel zu einer „Multikanalbank“ kosten. Das bedeutet: 240 von 580 Filialen werden bundesweit geschlossen, die verbleibenden Standorte modernisiert und aufgewertet, 1300 Stellen werden im Privatkundengeschäft gestrichen. Dennoch soll künftig jeder einzelne Kunde der Hypovereinsbank einen festen Berater erhalten. An den Beraterplätzen in den Filialen sollen Experten per Video zugeschaltet werden können – sofern in den Filialen kein Mitarbeiter mit entsprechendem Know-How zur Verfügung steht. Auch in der „HVB Online Filiale“ soll das Videoangebot erhöht werden. Ziel der Bank ist eine möglichst „orts- und zeitunabhängige“ Beratung – etwa per Internet, Telefon oder Video von zu Hause aus. Gleichzeitig will die Bank ihre Profitabilität steigern.

Mit Blick auf Schleswig-Holstein heißt es bei der Hypovereinsbank, die Modernisierung des Privatkundengeschäfts sei kein Rückzug aus der Fläche. Vielmehr solle der Nutzen für die Kunden gesteigert werden – mit  neuen Angeboten in weniger Filialen. Zudem bleibe das Private-Banking für vermögende Kunden und das Geschäft mit Firmenkunden unangetastet.

Die digitale Revolution nagt am Kerngeschäft der Kreditinstitute. Und gerade in Flächenländern wie Schleswig-Holstein wird der demografische Wandel verschärft dafür sorgen, dass Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Privatbanken  unter Druck geraten – sie werden dazu gezwungen, das stationäre Geschäftsmodell zu überdenken und zu erneuern.

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