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Hamburger Traditionswerft : Hunderte Arbeitsplätze bei Blohm+Voss bedroht

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Die Jobs von etwa 300 Mitarbeitern sollen betroffen sein. 70 Mitarbeiter sind schon seit Mitte Januar in Kurzarbeit.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2017 | 10:52 Uhr

Hamburg | Die Hoffnung war groß, um so größer ist nun die Enttäuschung bei der Belegschaft der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss. Hatten die knapp 1000 Beschäftigten nach der Übernahme durch die Bremer Lürssen-Gruppe im vorigen Herbst noch auf eine Stabilisierung des Standortes gehofft, droht nun doch ein massiver Stellenabbau. Etwa 300 Jobs könnten bei Blohm + Voss wegfallen, weil es an Aufträgen fehlt. So heißt es zumindest aus dem Umfeld der Werft. Bestätigen wollten das am Freitag weder Lürssen noch die Offiziellen bei Blohm + Voss selbst. Aber eben auch nicht dementieren. Zunächst sollten die Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung am Dienstag aus erster Hand über das neue Unternehmenskonzept informiert werden.

Bereits im Januar hatte sich eine Negativentwicklung abgezeichnet, als das Management 74 Mitarbeiter der Konstruktionsabteilung in Kurzarbeit schickte. Der Bremer Konzern hatte zuvor entschieden, künftig keine Luxusyachten mehr in Hamburg zu bauen, womit Blohm + Voss ein wichtiges Standbein endgültig verliert. Schon unmittelbar nach der Übernahme hatte das Lürssen-Management einen Jobabbau in dem Bereich nicht ausgeschlossen und erklärt: „Inwieweit wir den Standort Hamburg zukünftig zur Fertigung von Yachten nutzen werden, wird vor allem von der Marktentwicklung abhängen und ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu beantworten."

Zuversichtlicher klangen die Ansagen der Bremer seinerzeit mit Blick auf die Reparatursparte.  Blohm + Voss verfüge diesbezüglich über „vielseitig einsetzbare Fazilitäten an einem strategisch günstigen Standort“, hieß es damals. Der neue Eigner wolle dieses Angebot nutzen, „um seine Reparatur- und Refit-Leistungen abzurunden“, sagte Lürssen-Geschäftsführer Peter Lürßen. In der Zwischenzeit sind in Hamburg aber offensichtlich mehrere Aufträge im Bereich von Wartung und Reparatur von Kreuzfahrtschiffen verloren gegangen. Vor sechs Wochen hatten Blohm + Voss-Chef Dieter Dehlke eingeräumt: „Die Auftragslage  ist aktuell nicht zufriedenstellend."

Auch deshalb, weil Blohm + Voss bei anderen möglichen Aufträgen in der Luft hängt. So hat die Bundesregierung die Entscheidung über den Bau von vier Mehrzweckkampfschiffen (MKS 180) für die Bundesmarine auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschoben. Blohm + Voss gehört - ebenso wie Lürssen - zu den Bewerbern um den vier Milliarden Euro umfassenden Großauftrag. Hoffnungen macht sich das Unternehmen aktuell noch auf Aufträge der Marine zum Bau mehrerer Korvetten der K130-Serie.

Derweil warnt die oppositionelle CDU vor einem Stellenkahlschlag bei der 140 Jahre alten Werft. Der hafenpolitische Sprecher der Hanse-Union, Ralf Niedmers: „Solche Einschnitte bei Hamburgs letztem Schiffsbauer wären ein weiterer Schritt zum Ausverkauf der maritimen Wirtschaft in Hamburg.“ Die Einschätzung von Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos), die Übernahme durch Lürssen sei eine Chance für Blohm + Voss, neue Kunden zu gewinnen und Arbeitsplätze zu sichern, habe sich bereits nach wenigen Monaten als falsch erwiesen.

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