Landgericht Hamburg : HSH-Nordbank-Prozess schleppt sich zäh voran

Im Verfahren gegen den früheren Vorstand der HSH Nordbank ist die nervöse Atmosphäre der ersten Prozesstage einem gelassenen Miteinander gewichen.
Im Verfahren gegen den früheren Vorstand der HSH Nordbank ist die nervöse Atmosphäre der ersten Prozesstage einem gelassenen Miteinander gewichen.

Seit Juli verhandelt eine Strafkammer des Hamburger Landgerichts gegen den früheren Vorstand der HSH Nordbank. Es geht um Untreue und Bilanzfälschung.

shz.de von
13. November 2013, 09:44 Uhr

Hamburg | Schon 27 lange Verhandlungstage haben Angeklagte, Staatsanwälte, Verteidiger und Richter gemeinsam im Saal 300 des Hamburger Strafjustizgebäudes verbracht. Das bleibt nicht ohne Folgen. Im Verfahren gegen den früheren Vorstand der HSH Nordbank ist die nervöse Atmosphäre der ersten Prozesstage einem gelassenen Miteinander gewichen. An die Stelle gereizter Nickeligkeiten zwischen Anwälten und Gericht ist ein moderater Umgangston getreten. Man hat sich aneinander gewöhnt.

Die 8. Große Strafkammer des Landgerichts muss herausfinden, ob sich die sechs Angeklagten - unter ihnen der damalige Finanzvorstand und spätere Vorstandsvorsitzende Dirk Jens Nonnenmacher - im Dezember 2007 der Untreue in einem besonders schweren Fall schuldig gemacht haben. Der Vorstand soll leichtfertig und ohne hinreichende Prüfung ein Geschäft mit dem Codenamen „Omega 55“ gebilligt und damit die Bank einem unzumutbaren Risiko ausgesetzt haben.

Das Verfahren kreist um Mails und Vermerke, die zwischen den Abteilungen der Bank hin und her gingen, um Zuständigkeiten und Berichtswege, um zeitliche Abfolgen und Details. „Bislang dreht sich die gesamte Beweisaufnahme um Vorgänge auf der Arbeitsebene“, sagt ein erfahrener Jurist, der das Verfahren als Beobachter verfolgt. „Es gibt keine direkten Hinweise auf Versäumnisse des Vorstands.“ Die Vorgänge, um die es geht, liegen sechs bis sieben Jahre zurück; nicht immer können die Zeugen sich präzise an Einzelheiten erinnern. Der Vorsitzende Richter Marc Tully hatte schon zu Beginn des Verfahrens gewarnt, die Kammer werde das umstrittene Geschäft „sehr kleinteilig“ nachvollziehen.

Immer wieder lassen die Vernehmungen auf Organisationsmängel und Defizite in der Kommunikation der Bank schließen, auch auf ein unterentwickeltes Risikomanagement und Rendite-Druck der Eigentümer. Doch das ist im Prinzip schon durch die Untersuchungsausschüsse des Kieler Landtags und der Hamburgischen Bürgerschaft bekannt, deren Protokolle in dem Gerichtsprozess zum Teil noch einmal durchgegangen werden.

Die Angeklagten haben die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft mit zum Teil scharfen Worten zurückgewiesen, als „absurd“, „inakzeptabel“ oder „mehr als lebensfremd“. Ihre Verteidiger werden Freisprüche fordern, wenn das Verfahren dem Ende zugeht. Bis dahin kann es wieder Frühjahr werden.

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