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Ferienwohnungen und Co. : Hotel-Sterne: Immer weniger Betriebe in SH lassen sich klassifizieren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sterne sollen dem Urlauber schon vor der Reise Orientierung bieten. Doch immer mehr Leute setzen aufs Internet.

shz.de von
erstellt am 02.Jan.2016 | 14:24 Uhr

Sie sollen dem Urlauber bereits bei der Buchung den Standard vor Augen führen: Einer bis fünf Sterne, mit denen sich Ferienunterkünfte jeder Art klassifizieren lassen können. Doch im Vergleich der letzten fünf Jahre ist die Zahl der Betriebe, die sich der Sterne-Bewertung stellen, zwischen Nord- und Ostsee deutlich zurückgegangen.

Tourismus ist in Schleswig-Holstein ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Pro Tag gibt ein Urlauber im Land durchschnittlich 106 Euro aus.

Besonders groß ist der Einbruch bei Ferienwohnungen, Ferienhäusern und Privatzimmern: Im Jahr 2011 waren davon in Schleswig-Holstein noch 10.669 Anbieter auf der Sterne-Skala nach den Kriterien des Deutschen Tourismusverbands eingruppiert – im zu Ende gehenden Jahr hingegen nur noch 8808. Am besten sieht es noch an der Ostsee aus.

Von den schleswig-holsteinischen Hotels waren 2011 noch 307 Häuser vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) klassifiziert. 2015 hingegen nur 270. Zwar ist die Talsohle in diesem Marktsegment durchschritten – 2015 sind immerhin acht Hotels hinzugekommen. Dennoch bleibt ausgerechnet das so stark vom Tourismus abhängige nördlichste Bundesland eines der sterneärmsten. Gerade mal 28 Prozent aller Hotels in Schleswig-Holstein sind nach der Sterneskala klassifiziert. Im Bundesdurchschnitt sind es 43 Prozent. Und bundesweit ist die Entwicklung seit 2010 anders als im „echten Norden“ immer nur nach oben gegangen.

Noch mauer schneidet der ab, wenn es um den Anteil an allen bundesweit klassifizieren Hotels geht: Nur drei Prozent von ihnen liegen in Schleswig-Holstein. Die höchsten Anteile erreichen Bayern (21 Prozent) und Baden-Württemberg (16 Prozent). Selbst Mecklenburg-Vorpommern erreicht immerhin noch 3,7 Prozent.

„Hier gibt es bei uns noch erheblichen Nachholbedarf“, legt Wirtschaftsminister Reinhard Meyer den Finger in die Wunde. „Ich rufe den Dehoga Schleswig-Holstein auf, noch mehr Betriebe für eine Hotelklassifizierung zu gewinnen.“ Das Thema Qualität sei von großer Bedeutung, um noch mehr Gäste und damit die Ziele der neuen Landes-Tourismusstrategie zu erreichen. „Dass sich eine Klassifizierung lohnt“, so Meyer, „zeigt auch eine Untersuchung des Sparkassen-Tourismusbarometers 2015: Danach werden Dehoga-klassifizierte Hotels auch von ihren Gästen in der Regel besser bewertet als Betriebe ohne Sterne. Dies alleine sollte genug Anreiz sein.“

Catrin Homp, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Schleswig-Holstein, erklärt die Flaute der – mit Kosten verbundenen – Sterne-Klassifizierung so: „Viele Anbieter glauben offenbar, dass es inzwischen reicht, sich im Wettbewerb über Bewertungsportale im Internet zu positionieren.“ Dort schreiben Urlauber, wie ihnen ein Quartier gefallen hat. Sich allein darauf zu verlassen, empfiehlt Homp aber keineswegs. „Die Gäste wollen transparente Informationen im Vorfeld“, unterstreicht sie. Die traditionelle Klassifizierung sei stets neutral; in Bewertungsportalen gebe es nicht durchgängig gleiche Maßstäbe. Selbst bei einer äußerst positiven Bewertung werde nicht unbedingt klar, welchen Standard eine Unterkunft besitze.

Der Tourismusverband rät zu einer Kombination aus Klassifizierung und Bewertungs-Portalen. „Auch die subjektiven Schilderungen von Gästen im World Wide Web helfen den touristischen Anbietern, ihre Qualität zu verbessern“, sagt Homp. Vor allem nicht zu unterschätzen sei: „Positive Gästebewertungen – ob im Netz oder anderswo – sind die beste kostenlose Werbung, die sich etwa ein Ferienhausvermieter vorstellen kann“. Allerdings müssten sich Vermieter auch selbst darum kümmern, dass eine Unterkunft in einem Portal überhaupt mit einem Profil verzeichnet ist – und „professionell“ auf dortige Einträge reagieren.

Umso besser, dass die Anbieter aus Schleswig-Holstein in den Bewertungsportalen einen Sprung nach vorn gemacht haben. Das geht aus einer Auswertung des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) hervor. Dessen „Trust-Score“ führt die Urteile in den wichtigsten Onlineportalen mit Hilfe von Metasuchmaschinen zusammen und bildet sie in einem Raster zwischen 0 und 100 Punkten ab.

Darauf hat Schleswig-Holstein 2015 eine Online-Reputation von 80,8 erreicht – 0,5 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Homp spricht von einer „deutlichen Verbesserung gegenüber dem Vorjahr“. Besonders zufrieden äußerten sich die Urlauber der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Von 100 deutschen Urlaubsregionen eroberte ihre Online-Reputation auf einem stolzen achten Platz. Alle sieben noch besser bewerteten Regionen liegen in Bayern.

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