Stadtwald : Holz aus Lübeck europaweit gefragt

Herr der Bäume:  Knut Sturm vermisst eine Eiche. Foto: Malzahn Foto:
Herr der Bäume: Knut Sturm vermisst eine Eiche. Foto: Malzahn Foto:

Ein Konzept zahlt sich aus: Der Lohn für Lübecks ökologisch bewirtschafteten Stadtwald macht sich auch in Euro und Cent bemerkbar. Holz aus Lübeck ist europaweit begehrt.

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02. April 2013, 11:51 Uhr

Lübeck | Knut Sturm ist zufrieden. Der Bereichsleiter des Lübecker Stadtwaldes guckt auf gerade, starke Stämme: Buchen und Eichen, dazwischen Hainbuchen, Ulmen, Wildobst, Birken, Roterlen, vereinzelt Kiefern und Eiben. In Lübecks rund 5000 Hektar großem Stadtwaldgebiet werden jedes Jahr etwa 13.000 Festmeter Holz geschlagen, darunter 1200 Festmeter hochwertiges Eichenstammholz, das pro Festmeter um die 400 Euro einbringt. Insgesamt spült der Stammholzverkauf etwa eine Million Euro pro Jahr in die Kasse.

Ein beachtliches Geschäft, mit dem sich der Stadtwald mit seinen 25 Mitarbeitern in den Revieren Lauerholz, Waldhusen, Falkenhusen und Behlendorf nahezu selbst trägt. Hinge der Betrieb allein am Holz, schriebe er längst schwarze Zahlen. Zu den Aufgaben der Mitarbeiter zählen indessen auch Pflege und Betreuung von Naturschutzgebieten sowie von 250 Kilometern Wander-, Reit und Radwegen.

Wenig statt viel tun

Seine Wurzeln hat der Erfolg in seinem Konzept, das Sturms Vorgänger Lutz Fähser vor fast 20 Jahren auf den Weg brachte. Damals teils belächelt, teils attackiert, denn die Idee schien nicht nur allzu simpel, sondern geradezu dreist, die bis dahin üblichen Methoden der Forstwirtschaft anzuzweifeln: Wenig statt viel tun, ist seitdem das Motto im Lübecker Stadtwald.

Keine Kahlschläge, keine Monokulturen, keine Gifte und Mineraldünger. Ein umgestürzter Baum bleibt liegen. Die gefürchteten Borkenkäfer, die sich vorzugsweise über Fichten hermachen, sind für heimische Baumarten nicht von Bedeutung. Auch Waldbrände und Sturmschäden sind in Lübeck kaum Thema.

Waldwirtschaft von der Natur lernen

Neu an der Trave war einst vor allem die Entscheidung, zehn Prozent des Lübecker Stadtwaldes als so genannte Referenzfläche gänzlich sich selbst zu überlassen und Waldwirtschaft von der Natur zu lernen. Unterm Strich steht bislang: mehr Holz in besserer Qualität - und mehr CO2-Bindung.

Wuchsfreudig zeigt sich die Baumgesellschaft im Lübecker Stadtwald allemal. Hatte eine Inventur 1992 noch 43.000 Festmeter bei erntereifem Holz ergeben, zeigten sich den Forstleuten elf Jahre später schon 50.000 Festmeter.

Brennholz geht weg wie geschnitten Brot

"Und der Vorrat ist mindestens gleich geblieben", berichtet Sturm aus der laufenden Inventur, aus der er folgende Zahlen parat hat: "Pro Hektar hatten wir vor 20 Jahren in Lübeck 310 bis 315 Festmeter, vor zehn Jahren etwa 340 und heute zwischen 370 und 400."

Ginge es nach den Kunden, könnte Lübecks oberster Förster ein Vielfaches verkaufen. Das Wertholz aus Lübeck ist nicht nur deutschland-, sondern europaweit begehrt. Und Brennholz, das für den Stadtwald wirtschaftlich eigentlich keine besondere Bedeutung hat, geht weg wie geschnitten Brot. Der Wald als boomender Betrieb? Mit der Erfahrung aus fast 20 Jahren sagt Sturm: "Ich glaube, dass es langfristig gesehen nur dann ohne Subventionen geht, wenn man sich ökologisch und sozial verhält."

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