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Handel : Hoher Milchpreis macht Bauern glücklich

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gute Nachricht für die Landwirte: Sie bekommen so viel Geld pro Liter gezahlt wie lange nicht mehr. Verbraucher müssen aber wohl bald für Käse und Butter tiefer in die Tasche greifen.

In nächster Zukunft werden sich die Verbraucher auf Preissteigerungen für Milch und Butter einrichten müssen. Bei stabiler Nachfrage der Märkte wird beispielsweise die Osterhusumer Meierei in Witzwort ab August die Abgabe an ihre Milchbauern auf 40 Cent pro Liter erhöhen – so viel wie schon seit Langem nicht mehr. Meierei-Geschäftsführer Christoph Bossmann glaubt, dass der Trend zur Erhöhung der Preise sich fortsetzen werde: „Die EU zieht sich langsam aus dem Markt heraus. Der Milchmarkt stellt sich darauf ein, dass es keine großen Lagerbestände mehr geben wird, um die Preise zu beeinflussen.“ Weltweit würden jährlich etwa 2,5 Prozent mehr Milch produziert. Inzwischen gehen allerdings von den 30 Millionen Tonnen Milch, die in Deutschland ermolken werden, 14 Millionen Tonnen in den Export. Die stabilen bis leicht steigenden Preise für die Bauern werden in letzter Konsequenz an die Verbraucher weitergegeben.

Auch Prof. Dr. Holger Thiele vom Informations- und Forschungszentrum für Ernährungswirtschaft in Kiel bestätigt diesen Trend: „Der Zug geht nach oben. Wir rechnen damit, dass erste Molkereien auch über 40 Cent zahlen werden. Neben den Preissteigerungen für Milch und Butter wird auch der Preis für Käse etwas anziehen.“ Der Wissenschaftler geht davon aus, dass selbst der saisonbedingt traditionelle Preisrückgang Anfang des Jahres sich nur als eine „kleine Dämpfung“ erweisen wird, so dass auch für diese Zeit ein unüblich hohes Niveau gehalten werden könne. Auch Prof. Thiele glaubt an mehr Stabilität auf starkem Niveau durch den Weltmarkt. Genauso müssten die Bauern als Erzeuger und die Verbraucher mit Schwankungen rechnen, wenn die Nachfrage auf dem Weltmarkt einbreche.

Meierist Christoph Bossmann stellt zufrieden fest: „Die deutsche Milchwirtschaft ist auf dem Weltmarkt angekommen.“ Die Absatzmärkte in Afrika, China und Indien wissen die Qualität des Milchpulvers aus Deutschland zu schätzen und sind willkommene Abnehmer der deutschen Erzeugnisse. Die Auswirkungen bekommt der Verbraucher schon im Herbst zu spüren, wenn mit einer leichten Erhöhung der Milchpreise zu rechnen sein wird. Auch die Butter werde im September teurer, sagt Bossmann voraus. In dem deutlich wachsenden Markt ist aber auch ein Phänomen bemerkbar: Die Absätze für Bio-Milch steigen, die Produktion sei aber so knapp, dass Rohstoffe aus England, Schweden und Österreich dazugekauft werden müssten. Hier sieht Bossmann einen deutlich wachsenden Markt für die Zukunft.

Dass die Milchproduktion ein Geschäft mit Zukunft ist, haben die Großmolkereien in Deutschland erkannt: An vielen Stellen entstehen Milchpulver-Produktionsstätten für den Export. So geht das Trockenwerk in Neumünster, das von den Meiereien Wasbek, Barmstedt, Schmalfeld und Uelzena errichtet wird, noch in diesem Jahr in Teilbetrieb. Die steigenden Preise und damit höheren Zahlungen an die Bauern bezeichnete Ulrich Goullon vom Bauernverband als „nötig, damit die Milchbauern ihre Kosten decken können“. Auf dem Futtermittelmarkt seien die Bauern mit hohen Preisen konfrontiert. Hohe Milchpreise seien also nicht immer mit Prosperität bei den Bauern verbunden. Den Export bezeichnete der Milch-Fachmann als gutes Absatzventil. Schleswig-Holstein sei ein klassisches Überschuss-Gebiet. Durch die Öffnung des Marktes seien die Unternehmer des Landes deutlich export-orientiert. Viele Milchbauern gehen inzwischen davon aus, dass die Preise sowohl für Erzeuger, als auch für Verbraucher durch den Export mehr beeinflusst werden, als durch den Einzelhandel.


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erstellt am 29.Aug.2013 | 03:36 Uhr

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