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Schuldenbremse : Hoher Krankenstand: Behörden überlastet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zu wenig Mitarbeiter durch Sparpolitik: Das Arbeitsvolumen in Verwaltungen steigt stetig – und sorgt somit für weitere Ausfälle.

Die Verwaltung ist krank wie nie. In den großen Städten des Landes liegt der Krankenstand seit Jahren regelmäßig über dem Bundesschnitt. In Lübeck hat der Fachbereich Stadtplanung und Bauordnung zeitweilig seine Öffnungszeiten eingeschränkt. „Zu viele erkrankte Mitarbeiter – Konzentration auf Pflichtaufgaben“, lautete die Begründung. In Kiel musste die Führerscheinstelle Anfang des Jahres für zwei Wochen geschlossen bleiben.

Für Ludwig Klemm, Vorsitzender des Lübecker Gesamtpersonalrats, sind solche Einschränkungen ein Alarmsignal. „Unsere Personalpolitik ist auf Kante genäht“, sagt er. „Das bedeutet, dass Aufgaben zweiter und dritter Priorität nicht mehr angemessen erledigt werden.“ Im aktuellen Notfall seien die beiden Vollzeitkräfte länger erkrankt, es blieben zwei Teilzeitkräfte. „Mit 30 Prozent des Personals sollen 100 Prozent Leistung erbracht werden. Das ist nicht möglich.“

Als Knackpunkt wertet Klemm, dass für Langzeiterkrankte keine Vertretungen eingestellt würden. „Wir fordern das immer wieder, der Bürgermeister lehnt es jedoch ab.“ Die Folge der aufs Sparen ausgelegten Personalpolitik: Die verbliebenen Mitarbeiter würden unter der Last der zusätzlichen Arbeit ebenfalls häufiger erkranken.

Der Deutsche Städtetag hat den Krankenstand in Stadtverwaltungen ermittelt. Die Quote liegt im Bundesschnitt bei 6,4 Prozent. In Lübeck sind es dramatische 8,9 Prozent, in Kiel 8,04 und in Neumünster 6,7 Prozent. Nur Flensburg liegt mit Fehlzeiten von 5,9 Prozent darunter. Allerdings ist auch hier der Ausfall noch immer höher als in der Privatwirtschaft. Die Barmer GEK ermittelte 2014 für Schleswig-Holstein einen Krankenstand von 4,8 Prozent, bei AOK-Arbeitnehmern sind es 5,4 Prozent.

Woran krankt die Verwaltung? Auf der Hand liegt, dass Fehlzeiten in Behörden bereits vom ersten Tag zählen. Im Vergleich zur Privatwirtschaft beschäftigen Verwaltungen auch deutlich mehr Menschen mit Behinderungen und mehr Ältere. In Kiel ist ein Fünftel aller städtischen Mitarbeiter über 55 Jahre – ein Alter, in dem Krankheiten oft länger andauern. Außerdem fordert die Stadt Kiel ihre Mitarbeiter auf, sich auszukurieren und nicht krank zur Arbeit zu schleppen. Unstrittig ist zudem, dass wegen des Spardiktats die Arbeitsbelastung in den Behörden stetig steigt. „Wir müssen in Anbetracht der Defizitsituation den Haushaltsansatz knapp kalkulieren“, erklärt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), warum er bei Langzeiterkrankten kein externes Fachpersonal zur Entlastung einstellt.

Die vier großen Städte im Norden setzen nun auf ein Gesundheitsmanagement. „Den Erfolg wollen wir aber nicht ausschließlich an der Reduzierung des Krankenstands messen“, betont Flensburgs Stadtsprecher Clemens Teschendorf. „Uns geht es darum, die Leistungsfähigkeit und die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter dauerhaft zu erhalten.“ Es gibt Bewegungs-, Entspannungs- und Ernährungsangebote, zugleich soll versucht werden „gesunde“ Arbeitsstrukturen zu schaffen, etwa durch Transparenz und Beteiligung der Mitarbeiter.

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erstellt am 10.Aug.2015 | 20:00 Uhr

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