Böklunder und Döllinghareico : Hersteller aus SH gehören zum Wurstkartell

Verbotene Preisabstimmungen: Jahrelang haben Deutschlands führende Wursthersteller sich untereinander abgesprochen. Auch zwei Unternehmen aus dem Norden gehören zum „Wurstkartell“.

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15. Juli 2014, 13:19 Uhr

Bonn / Böklund | Millionen Verbraucher in Deutschland haben offenbar jahrelang zu viel Geld für Wurst und Schinken bezahlt. Wegen verbotener Preisabsprachen verhängte das Bundeskartellamt am Dienstag Geldbußen von mehr als 338 Millionen Euro gegen 21 Wursthersteller und zahlreiche Führungskräfte der Branche.

Darunter sind mit Döllinghareico (Elmshorn) und Böklunder auch zwei Betriebe in Schleswig-Holstein, wie die Wettbewerbsbehörde mitteilte. Betroffen sind auch andere bekannte Marken wie Herta, Meica, Rügenwalder und Wiesenhof. Die Hersteller sollen sich über Preisspannen für Produktgruppen wie Brühwurst oder Schinken abgestimmt und beim Handel so höhere Preise durchgesetzt haben.

„Die Preisabsprachen wurden über viele Jahre praktiziert“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Angaben zur Höhe der einzelnen Bußgelder machte die Behörde nicht. Der Löwenanteil der Bußgelder entfällt nach Behördenangaben auf die Großen der Branche und ihre Töchter. Dazu gehören etwa die ClemensTönnies-Gruppe (Zur-Mühlen, Bölklunder, Könecke), die nach Angaben aus informierten Kreisen allein über 100 Millionen Euro Bußgeld zahlen soll, aber auch die Schweizer Bell-Gruppe (Zimbo) oder die zum Nestlé-Konzern gehörende Herta GmbH.

Der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie betonte unterdessen, dass die Vorgänge zu keinen negativen Auswirkungen für die Verbraucher geführt hätten – „insbesondere nicht zu unbilligen Preiserhöhungen“. Dafür habe schon die Einkaufsmacht der großen Handelskonzerne gesorgt, die sich von den Herstellern keine Preise diktieren ließen. Ohnehin habe sich die Mehrheit der Unternehmen rechtskonform verhalten. Zahlreiche Hersteller bestritten die Vorwürfe und kündigten juristischen Widerstand gegen die verhängten Bußgelder an.

Ein Nestlé-Sprecher sagte: „Wir sind davon überzeugt, dass die Vorwürfe des Bundeskartellamts ungerechtfertigt sind. Deshalb werden wir beim Oberlandesgericht Düsseldorf Einspruch einlegen, um eine gerichtliche Aufhebung der Entscheidung herbeizuführen.“ Elf Unternehmen hatten allerdings nach Angaben des Bundeskartellamts im Zuge des Verfahrens mit der Behörde kooperiert und schließlich Geständnisse abgelegt.

Ausgelöst worden waren die Ermittlungen der Kartellwächter durch einen anonymen Hinweis. Mit den nun verhängten Strafen gegen das „Wurstkartell“ stieg die Summe der von der Wettbewerbsbehörde allein in diesem Jahr verhängten Bußgelder auf fast eine Milliarde Euro. Das ist ein neuer Rekord.

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