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Wirtschaft

22. Oktober 2017 | 11:14 Uhr

Hauptsache Kaffee

vom

Das Familienunternehmen "Paul Heyck" setzt seit Generationen auf Kaffee und Tee - heute ist es eines der ältesten Spezialitätengeschäfte im Norden

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Kiel | In den 70er Jahren waren es Tee runden und Räucherstäbchen, heute sind es Latte Macchiato und handgefilterte Kaffees. Bei Kaffee- und Teehändler "Paul Heyck" in Kiel war man stets mit der Zeit. "Eines von beiden trinken die Leute immer", sagt Peter Vagt, der das Traditionsunternehmen in der dritten Generation führt. Seitdem sein Großvater Ludwig Vagt das Geschäft in der Kieler Innenstadt 1906 übernommen hatte, baute die Familie den einstigen Kolonialwarenhändler zu einem der etabliertesten und originellsten Kaffeeröster und Teeanbieter in Schleswig-Holstein aus. Ludwigs Sohn, Herbert Vagt, der noch mit gut 80 Jahren im Laden stand, machte das Unternehmen nach dem Krieg zu dem, was es heute ist. Er verbannte die meisten Kolonialwaren und Lebensmittel aus dem Geschäft, setzte allein auf Kaffee und Tee und schuf damit ein über die Grenzen Kiels hinaus bekanntes Unternehmen.

Dabei mag anfangs auch Glück eine entscheidende Rolle gespielt haben. Herbert Vagt gelangte im Hamburger Freihafen an etwas, das nach dem Krieg Mangelware war: Bohnenkaffee. Die Kunden sollen, so erzählt man sich, in langen Schlange bis zum Bootshafen angestanden haben, um ein Achtel Pfund Bohnenkaffee zu ergattern. Damals dürfte es egal gewesen sein, wie lange der Kaffee geröstet wurde und ob es Arabica oder Robusta-Bohnen war. Hauptsache Kaffee.

Denn der Deutsche ist passionierter Kaffeetrinker. Seit ein paar Jahren liegt das Getränk aber wieder verstärkt im Trend. 149 Liter Kaffee hat jeder Bundesbürger nach Angaben des Deutschen Verbandes im Durchschnitt im Jahr 2012 konsumiert und damit 30 Prozent mehr als der durchschnittliche EU-Bürger.

Das bekommt auch "Paul Heyck" zu spüren. 50 bis 60 Kaffeesorten hat das Unternehmen im Angebot. Dazu 300 Sorten Tee. Um sich gegen Supermärkte und Großanbieter wie Tchibo zu behaupten, muss "Heyck" auf Service, Qualität und Frische setzen. "In Spitzenzeiten stehen bis zu zehn Mitarbeiter hinter dem Tresen." Und wenn es sein muss, wird ein spezieller Kundenwunsch erfüllt und die Bohne frisch geröstet.

Einen Großteil der Produkte verkauft "Heyck" mittlerweile über das Versandgeschäft. Vor allem ehemalige Studenten der Kieler Uni seien dem Kaffee- und Teehandel treu geblieben, stünden längst andernorts in Lohn und Brot und ließen sich ihren von "Paul Heyck" selbst parfümierten Earl-Grey-Tee oder andere Spezialitäten nachschicken, erzählt Peter Vagt.

Hand geschriebene Schilder, volle Schaufenster, dunkles Holz, weiße Schürzen. Wer das Geschäft in der kleinen Faulstraße an der Fußgängerzone betritt, hat das Gefühl, in der Zeit von Großvater Ludwig Vagt angekommen zu sein. Keineswegs, wie Peter Vagt versichert. Als er vor 25 Jahren die Regie übernahm, wurde entrümpelt, vieles erneuert, das Sortiment um Tee- und Kaffeezubehör deutlich erweitert, Arbeitsabläufe wurden modernisiert. Dabei sah es Ende der 1960er Jahre kurzfristig danach aus, als würde es das Geschäft nicht mehr länger in Familienhand geben. Peter Vagt, der im ersten Stock des Geschäftes aufgewachsen war, hatte damals an vielem Interesse, aber nicht an Kaffee und Tee im Laden seines Vaters. Die Demonstrationen auf den Straßen der Landeshauptstadt weckten auch in dem 15 Jahre alten Peter den Rebell gegen die, wie er sagt, "verkrustete Gesellschaft". "Mir war hier alles zu eng." Er lernte Großhandelskaufmann und stieß sich die Hörner fern der Heimat ab. Es zog ihn nach Indien und Sri Lanka, wo er wichtige Kontakte knüpfte, die dem 59-jährigen Kaufmann bis heute nützen. Wenn es geht, bestellt er den Tee vor Ort. Kaffee bezieht das Unternehmen über Importeure im Hamburger Freihafen.

Und was trinkt der Fachmann am liebsten? "Morgens Kaffee, mit dem Handfilter aufgegossen, und nachmittags Tee", antwortet Peter Vagt diplomatisch. Auf jeden Fall keine Pads und keine Kapseln. Die kommen dem Genussmenschen Peter Vagt nicht ins Haus.

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