Hauptsache Handel

Die Supermärkte und Discounter freut es: Viele Schulabgänger im Land zieht es in den Einzelhandel.
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Die Supermärkte und Discounter freut es: Viele Schulabgänger im Land zieht es in den Einzelhandel.

Experten kritisieren geringes Interesse an alternativen Ausbildungsberufen

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
21. Juli 2015, 17:46 Uhr

Wer die jährlich erscheinenden Listen der beliebsten Ausbildungsberufe durchgeht, könnte an ein Déjà-vu glauben. Auch im vergangenen Jahr dominierten wieder die Kaufleute im Einzelhandel das Ausbildungsgeschehen. 31  080 Jugendliche entschieden sich nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr für diesen Lehrberuf, 2547 waren es allein in Schleswig-Holstein. Zwar gibt es im Handel offenbar – ähnlich wie in den Branchen der anderen Top-Ausbildungsberufe – ganz einfach den größten Ausbildungsbedarf. Doch dies ist aus Sicht von Arbeitsagentur und Industrie- und Handelskammer (IHK) nur der eine Teil der Wahrheit. Der andere: Schleswig-Holsteins Jugend zeigt offenbar wenig Interesse an Berufsbildern jenseits der scheinbar ewigen Top-Ausbildungslisten, die sich auch im Norden eben vor allem auf Berufsbilder wie die erwähnten Kaufleute im Einzelhandel, Bankkaufleute, Verkäufer und Verkäuferinnen sowie Hotelkaufleute reduzieren lassen. Bei Handwerksberufen stehen seit langem Kraftfahrtzeugmechatroniker an der Spitze.


Berufsnamen verraten nicht immer ihren Inhalt


„Wenn Sie junge Leute fragen, dann kommen selten mehr als sieben oder acht Berufe zustande, die die ihnen nennen können“, beschreibt Hans Joachim Beckers, Ausbildungsexperte an der IHK Schleswig-Holstein, das Dilemma. Möglichkeiten, sich zu informieren, hätten die Jugendlichen dabei durchaus genug – die Kammern selbst informieren über Ausbildungsberufe, ebenso die Bundesagentur für Arbeit (BA). Der Erfolg ist jedoch offenbar bescheiden. „Da wird relativ sparsam von Gebrauch gemacht“, sagt Beckers. Als Grund dafür macht der IHK-Experte eine gewisse „Konsumhaltung“ bei den Schulabgängern aus. „Wir wünschen uns natürlich, dass das Berufswahl-Spektrum größer wäre“, sagt auch ein Sprecher der Regionaldirektion Nord der BA in Kiel. Regelmäßig würden Berater Jugendliche auch dazu anregen, über Alternativen nachzudenken – schließlich gibt es mehr als 300 duale Ausbildungsberufe in Deutschland.

„Wir haben natürlich den Trend, dass die Berufe immer cooler klingen sollen“, kritisiert Beckers zudem. Nicht immer würde so aber deutlich werden, wofür der Beruf am Ende steht. Die Betriebe indes würden zunehmend sensibler für das Thema, um auch ungewöhnliche Ausbildungsplätze an den Mann oder die Frau zu bringen. Zehn sogenannte Fachkräfteberater, die seit Anfang des Jahres im Land unterwegs sind, versuchen den Betrieben Hilfestellungen zu geben. „Es reicht nicht, nur gut zu sein. Man muss sich auch bekannt machen“, so Beckers.

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