Zahlen der Bundesagentur für Arbeit : Hartz-IV-Sanktionen in Schleswig-Holstein leicht gestiegen

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Die Gründe für die Kürzung von Hartz-IV-Leistungen.
Rund 4,08 Millionen Hartz-IV-Empfänger gibt es laut Bundesarbeitsagentur in Deutschland.

Die Sanktionsquote kletterte auf drei Prozent. Die meisten Sanktionen gibt es, weil Termine nicht wahrgenommen werden.

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Margret Kiosz von
11. Oktober 2018, 08:59 Uhr

Kiel/Nürnberg | Die Zahl der Sanktionen für Hartz-IV-Empfänger ist im ersten Halbjahr 2018 in Schleswig-Holstein gegen den Bundestrend leicht auf 16.740 gestiegen. Die Sanktionsquote kletterte von 2,8 auf 3,0 Prozent. „Drei von vier Sanktionen entstehen, weil vereinbarte Termine im Jobcenter nicht wahrgenommen werden“, erklärt dazu Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion für Arbeit in Kiel.

Niemand in den Jobcentern arbeite gern mit Sanktionen. „Doch Hartz IV basiert auf dem Grundsatz des Forderns und Förderns.“ Jeder Hilfebedürftige sei verpflichtet, alles zu tun, um seine Bedürftigkeit zu überwinden. „Die weit überwiegende Mehrheit akzeptiert diese Spielregeln.“ In Schleswig-Holstein gab es Mitte des Jahres 158.300 „erwerbsfähige Leistungsempfänger“, ein Jahr zuvor waren es 163.100. Sie erhalten 416 Euro im Monat.

Die Gründe für die Kürzung von Hartz-IV-Leistungen.
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Die Gründe für die Kürzung von Hartz-IV-Leistungen.
 

Auf Bundesebene ist die Zahl der Sanktionen auf 449.600 gesunken. Das waren 25.800 weniger als im Vorjahr, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit. In 34.000 Fällen wurde die Unterstützung komplett gestrichen, weil die Leistungsempfänger nicht kooperierten. Die Quote liegt bei 3,1 Prozent. 

Kritik kommt von den Sozialverbänden. Vielen Betroffenen bliebe nach den Sanktionen oft nicht ihr verfassungsrechtlich garantiertes Existenzminimum. „Absolut kontraproduktiv sind zudem die verschärften Sanktionen gegen junge Erwachsene“, betont Guido Bauer, Sprecher des Sozialverbandes SoVd Schleswig-Holstein. „Häufig brechen Jugendliche dann den Kontakt zum Jobcenter ab, landen auf der Straße und die Vermittlung in einen Job wird unmöglich.“ Derzeit kann Unter-25-Jährigen schon beim ersten Regelverstoß (ohne Meldeversäumnis) die Hilfe zu 100 Prozent gestrichen werden. Kommt innerhalb eines Jahres ein weiterer Pflichtverstoß hinzu, kann auch die Miete gekürzt werden.

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