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Energiepreise in SH : Hartz-IV-Regelsatz zu niedrig für die Stromkosten

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bezieher von Arbeitslosengeld II zahlen in Schleswig-Holstein 107 Euro im Jahr drauf – Anbieterwechsel sind oft schwer.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2015 | 10:19 Uhr

Steigende Strompreise machen den Verbrauchern zu schaffen. Besonders stark bekommen das offenbar Hartz-IV-Empfänger zu spüren. Denn diesen werden zwar Kosten für Unterkunft und Heizung erstattet – nicht jedoch für den Strom. Regelsätze, die vorgesehen sind, um unter anderem die Energiekosten zu decken, reichen einer Studie zufolge jedoch meist nicht aus.

Allein in Schleswig-Holstein müssen Bezieher vom Arbeitslosengeld II 107 Euro im Jahr aus eigener Tasche hinzubezahlen – 8,95 Euro im Monat. Bundesweit sind es durchschnittlich sogar 116 Euro im Jahr oder 9,66 Euro monatlich. Das geht aus Zahlen hervor, die das Online-Vergleichsportal Check24 veröffentlicht hat. Demnach zahlt eine alleinstehende Person im Norden durchschnittlich 42,31 Euro (das Portal unterstellt dabei einen Jahresverbrauch von 1500 Kilowattstunden) für Strom im Monat. Durch den Regelsatz von Hartz-IV gedeckt seien jedoch nur 33,36 Euro.

Je nach Region können die Unterschiede noch größer sein. In Rheinland-Pfalz müssen dem Verbraucherportal zufolge sogar 138 Euro im Jahr aus eigener Tasche zum Begleichen der Stromrechnung beigesteuert werden. Der Paritätische Gesamtverband warnte angesichts der Zahlen, dass „Strom in Deutschland zum Luxusgut wird“.

Energie gehöre wie ein Dach über dem Kopf zum Existenzminimum, sagte Verbandshauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. „Damit einkommensschwache Haushalte nicht im Dunkeln sitzen bleiben, braucht es sofort und unbürokratisch eine Lösung.“ Nach Zahlen seines Verbands müssten je nach Haushaltsgröße sogar bis zu 300 Euro im Jahr zu den Regelsätzen hinzu gesteuert werden. Der Verband plädierte daher dafür, die Stromrechnung nicht mehr über den Regelsatz zu begleichen. Stattdessen sollten Strom- wie auch die Heizkosten in tatsächlicher Höhe übernommen werden.

Seit 2005 seien die Strompreise geradezu explodiert, beklagte der Verband weiter. Und nicht nur Hartz-IV-Bezieher seien dadurch kaum noch in der Lage, ihre Energiekosten zu zahlen. Auch für viele Haushalte, deren Einkommen knapp über der Hartz-IV-Schwelle liege, sei es schwerer geworden.

Besonders fatal: Der Wechsel von der teuren Grundversorgung zu einem günstigeren Anbieter ist gerade für Verbraucher mit einer geringen Bonität oft so gut wie unmöglich. Führen Kreditauskunfteien wie die Schufa einen negativen Eintrag, bleibt die Lieferung des Billigstroms meist aus.


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