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Steigende Handwerker-Rechnungen : Handwerk in SH dreht an der Preisschraube

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Jeder zweite Betrieb in Schleswig-Holstein verlangt für seine Arbeit künftig mehr Geld. Das hat mehrere Gründe.

Kiel | Kunden müssen sich auf steigende Handwerker-Rechnungen einstellen: Nach einer Erhebung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform planen 51 Prozent der Betriebe bundesweit in den nächsten sechs Monaten, die Preise zu erhöhen. Vor einem Jahr taten dies nur 44  Prozent. In Schleswig-Holstein bestätigen Branchenvertreter diesen Trend. „Fakt ist: die Preise ziehen an“, sagt Andreas Haumann, Sprecher der Handwerkskammer Flensburg. „51 Prozent Betriebe mit Preiserhöhungen sind eine realistische Zahl.“ Als Ursachen nennt er steigende Kosten für Personal und Material. „Preiserhöhungen sind auch wünschenswert, damit die Firmen ihre Ertragslage verbessern“, meint Haumann.

Jedes Jahr steigen die Betriebskosten beispielsweise für Energie, Personal, Werkzeuge und Material. Damit die Firma weiter schwarze Zahlen schreibt, müssen Handwerker die steigenden Kosten am Ende an den Kunden weitergeben.

„Wir halten es als Organisation für nötig, dass sich bei den Preisen etwas tut“, betont  auch der Geschäftsführer des Verbands Handwerk Schleswig-Holstein, Tim Brockmann. Er vertritt die Innungen und Kreishandwerkerschaften im Land. Begründung für Brockmanns Diagnose: „So lässt sich die  Eigenkapitalbildung der Betriebe verbessern. Und Preiserhöhungen tragen dazu bei, die Beschäftigten ordentlich zu bezahlen.“ Der Fachkräftemangel mache gute Löhne wichtiger, um qualifizierte Mitarbeiter an eine Firma zu binden. Auch habe der Großhandel die Einkaufspreise für Vor- und Rohprodukte wie Stahl, Zement und Dämmmaterial erhöht. Darüber hinaus sieht Brockmann in den zahlreichen Bau- und Ausbaugewerken die allgemeine Marktentwicklung als Preistreiber. Dort erreicht die Nachfrage derzeit ein „Allzeit-Hoch“. Es sei ein „normaler Markt-Mechanismus, bei hoher Nachfrage an Preiserhöhungen zu denken“, stellt Brockmann fest.

„Wenn etwas besonders begehrt ist, hat das Einfluss auf die Preise“, bestätigt Hendrik A. Kilp vom Landesinnungsverband der Elektro- und Informationstechnik. Im Sommer beginnen Kilp zufolge die nächsten Lohnverhandlungen. Er rechnet mit Erhöhungen von 2,5 bis drei Prozent. Wie weit diese an Kunden weitergegeben würden, hänge letztendlich auch von der Region ab. Horst Albert, Geschäftsführer der Gebäudereiniger-Innung, berichtet von einer Erhöhung des Tariflohns Anfang 2017 um 2,04 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass 70 Prozent der Betriebe das in ihren Rechnungen durchsetzen.“

Und Berthold Brodersen von der Friseur-Innung geht davon aus, dass in seinem Metier die Hälfte der Anbieter die Erhöhung des  branchenspezifischen Mindestlohns auf die Preise aufschlägt, die er im Sommer erwartet. „Den Mitarbeitern ist es zu wünschen“, sagt er. Kleiner Trost für Verbraucher: Zumindest bei einem Handwerk, bei dem sie oft einkaufen, sind höhere Preise wenig wahrscheinlich – bei den Bäckern. Die Konkurrenz durch Back-Angebote der Discounter sei so gestiegen, dass höhere Preise kaum durchsetzbar seien, erklärt der Geschäftsführer der Bäcker- und Konditorenvereinigung Nord, Heinz Essel. 

Ganz allgemein versucht man bei der Handwerkskammer Flensburg etwaigen Unmut der Kunden über die höheren Preise mit diesem Tipp im Zaum zu halten:  „Im Zweifel kann man den Kunden raten, sich drei oder vier Angebote geben zu lassen. Es gibt ja immer noch Wettbewerb.“

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erstellt am 03.Apr.2017 | 06:30 Uhr

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