EU-Forschungsprojekt : Handelsschiffe unter Segeln

So könnte es gehen: Die Luxusyacht 'Maltese Falcon' hat Segel, die sich elektronisch ein- und ausfahren lassen. Ein System dieser Art wäre auch für Handelsschiffe denkbar. Foto: Picture Alliance
So könnte es gehen: Die Luxusyacht "Maltese Falcon" hat Segel, die sich elektronisch ein- und ausfahren lassen. Ein System dieser Art wäre auch für Handelsschiffe denkbar. Foto: Picture Alliance

Die Idee ist faszinierend: Ein modernes Handelsschiff, das nur vom Wind getrieben wird. Ein neues EU-Forschungsprojekt will den Hybridantrieb für Frachter erforschen.

Avatar_shz von
20. November 2012, 11:24 Uhr

Geesthacht | Die Idee ist faszinierend: Ein modernes Handelsschiff, das - zumindest streckenweise - nur vom Wind getrieben wird. Reeder könnten so nicht nur Treibstoff sparen, sondern auch Schadstoffemissionen verringern. Ab 2015 dürfen Schiffe in Nord- und Ostsee ohnehin nur noch 0,1 Prozent Schwefel im Treibstoff haben, statt wie aktuell ein Prozent. Das hat die Internationale Maritime Organisation IMO schon vor Jahren festgelegt. Aber: Ganz so einfach ist das mit dem Segel setzen nicht. "Es geht nicht darum, zu sagen, wir segeln wie 1880, sondern mit moderner Technik", sagt Volker Matthias vom Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums in Geesthacht. Erste Projekte in dieser Richtung gibt es, den großen Durchbruch aber noch nicht. Matthias und seine Kollegen wollen deshalb in dem neuen Projekt "Sail" gemeinsam mit Wissenschaftlern aus anderen EU-Staaten, Vertretern von Behörden und der Wirtschaft erforschen, wie Segel als Zusatzantrieb für Handelsschiffe genutzt werden können.
Bei dem Forschungsprojekt machen insgesamt 18 Partner aus sieben Staaten mit: Großbritannien, Niederlande, Dänemark, Schweden, Frankreich, Belgien und Deutschland. Neben dem Helmholtz-Zentrum ist von deutscher Seite auch die Jade-Hochschule im niedersächsischen Elsfleth daran beteiligt. In dem EU-Projekt geht es sowohl um technische Fragen, als auch um wirtschaftliche.
Ein Beispiel: Die Entwicklung konkreter Geschäftsmodelle. Ab wann rechnet sich für einen Reeder die Investition in einen Hybridantrieb - also ein Schiff mit Motor und Segel? Gibt es Kunden, die ein Interesse daran haben, dass ihre Waren möglichst umweltfreundlich - also mit wenig Kohlendioxid-Ausstoß transportiert werden? Mit solchen Fragen wird sich ein Teil des Experten-Teams beschäftigen. Andere Fachleute in dem länderübergreifenden Projekt wollen der Frage nachgehen, wie moderne Segeltechnik aussehen könnte und welcher Schiffstyp sich für Segel besonders eignet.
Die Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum errechnen derzeit mit Hilfe von mathematischen Modellen, wo sich der Wind in der Nordsee besonders effektiv nutzen lässt. Die Geesthachter Forscher nutzen dafür verschiedene globale wie regionale Klimamodelle. Dabei geht es nicht nur darum, zu erforschen, wie verlässlich und stark der Wind aktuell weht - sondern auch wie es in den nächsten Jahrzehnten aussehen könnte.
In einem zweiten Schritt will das Team um Matthias untersuchen, wie viele Schadstoffe und Treibhausgase reduziert werden können. "Die Nordsee ist eine der dichtbefahrendsten Gebiete weltweit. Hier ist der Handlungsbedarf am größten. Und hier gibt es große Expertise in Sachen Schiffbau", sagt Matthias. Forscher wie er halten es für möglich, dass irgendwann wieder viele Handelsschiffe vom Wind getrieben werden - zumindest streckenweise.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen