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Wirtschaft : Hamburg und SH: Kooperation auf Sparflamme

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ungleiche Nachbarn: In der Wirtschaft spielt Hamburg seine Karten geschickt aus. Schleswig-Holstein hinkt hinterher. Ein Kommentar von Bernd Ahlert.

shz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 09:45 Uhr

Wenn es um die Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein geht, bewegt sich die Debatte seit Jahrzehnten zwischen Kritik und Schönfärberei. Dabei gilt: Trotz großer Gemeinsamkeiten der beiden norddeutschen Bundesländer spielen sie eher gegeneinander als miteinander. Das gilt für gemeinsame Behörden und Einrichtungen ebenso wie für Planungsprozesse, die Vermarktung nach außen oder die Bündelung der Kräfte zur Steigerung der politischen Durchschlagskraft in Berlin und Brüssel. Zu unterschiedlich sind die Interessen und Egoismen in beiden Ländern gelagert. Auf der einen Seite das stolze Hamburg, das Tor zur Welt, das mit seinem enormen wirtschaftlichen Potenzial und der hervorragenden Infrastruktur Strahlkraft für Wachstum und Beschäftigung weit über die Stadtgrenzen hinaus besitzt. Auf der anderen Seite das Flächenland Schleswig-Holstein, das mit einer kleinständisch geprägten Wirtschaft allenfalls als Juniorpartner angesehen wird, den die Hansestadt als Nachbarn braucht, aber nicht existenziell auf ihn angewiesen ist. Dieses Ungleichgewicht ist es, das den Willen zu einer engeren Kooperation beider Länder bis heute auf Sparflamme köcheln lässt.

Wirtschaftsstrategisch spielt Hamburg seine Karten geschickt aus. Das zeigt sich aktuell an zwei Beispielen. Um im internationalen Wettbewerb der Wirtschaftsregionen mithalten zu können, setzt Wirtschafssenator Frank Horch auf die Metropolregion Hamburg, die mit fünf Millionen Menschen zwischen Uelzen, Cuxhaven, Nordwest-Mecklenburg bis nach Neumünster reicht und weltweit vermarktet wird. Für Schleswig-Holstein Segen und Fluch zugleich. Denn: Was für den südlichen Teil des Landes eine Zukunftsperspektive erster Güte darstellt, ist für Rendsburg, Kiel und den gesamten nördlichen Landesteil eher eine Gefahr. Es droht perspektivisch eine wirtschaftliche Abkoppelung und die ökonomische Bedeutungslosigkeit.

Zugleich flirtet Hamburg heftig mit der Region Kopenhagen-Malmö und setzt bei der Achsenbildung große Hoffnung auf die Fehmarnbelt-Querung. Schleswig-Holstein muss aufpassen, dass es nach Realisierung des Fehmarnbelt-Projekts nicht zum Transitland degeneriert, in dem nichts hängen bleibt und die Wirtschaftsströme sich Richtung Hamburg als Umschlagszentrale für den mitteleuropäischen Markt orientieren.

Konkurrenz belebt das Geschäft. Das gilt auch für die beiden Nachbarländer. Schleswig-Holstein kann es nicht schaden, mehr als bisher die eigene Kleinteiligkeit zu überwinden und mit Hamburg als Zugpferd selbstbewusst die eigenen Stärken auszuspielen. Bewegung statt Starre, darauf kommt es an. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer weiß um die herausfordernde Aufgabe. Es wird sich zeigen, ob der bisher klug und souverän agierende Minister sie meistern kann.

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