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Landesbauerntag 2015 : Habeck und Schmidt bei der Norla: Das sind die Sorgen der Bauern

vom

Gleich zwei Landwirtschaftsminister kommen am Freitag zum Landesbauerntag. Welche Probleme sie erwarten.

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2015 | 15:00 Uhr

Osterrönfeld | Die Landwirtschafts- und Verbrauchermesse Norla in Rendsburg wird am Freitag mit dem Landesbauerntag fortgesetzt. Zu den Gästen zählen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und Landwirtschaftsminister Robert Habeck.

Schmidt hat den Bauern gleich zu Beginn seines Besuchs in Schleswig-Holsteins Hilfe versprochen. Er werde sich auf einer Sondersitzung an diesem Montag in Brüssel für Ihre Belange einzusetzen, versprach der Politiker am Freitag auf dem Landesbauerntag in Rendsburg. „Es wird am Dienstag die Welt nicht komplett verändert sein, aber es gibt einige gedankliche Ansätze, die wir versuchen werden umzusetzen“, sagte Schmidt.

Schleswig-Holsteins Bauern forderten unter anderem eine Anhebung des Interventionspreises für Butter und Magermilchpulver, damit der Staat früher eingreifen kann. Angesichts der massiven Preiskrise vor allem am Milch- und Schweinefleischmarkt stehe die Existenz vieler Höfe auf dem Spiel, sagte Verbandspräsident Werner Schwarz. „Wir haben immer betont, dass die Intervention als tief hängendes Sicherheitsnetz gebraucht wird.“ Aktuell gehe es darum, die Preise nicht zu weit abstürzen zu lassen. Dazu reiche der jetzige Interventionspreis nicht aus. Ohne ein solches Sicherheitsnetz müssten viele bäuerliche Betriebe aufgeben, obwohl sie gut aufgestellt sind für die Zukunft, meinte Schwarz.

Gleichzeitig wandte Schwarz sich gegen eine ausufernde Regelungswut. Bürokratische Anforderungen und Auflagen würden immer komplizierter und kosteten vielen Bauern viele Stunden am Schreibtisch. „Das widerspricht dem Prinzip der bäuerlichen Landwirtschaft. Denn die Überzeugung ist ja gerade, dass die bäuerliche Familie von sich aus Garant des guten Umgangs mit Tier, Pflanzen, Boden und Umwelt ist“, sagte er. Die Landwirtschaft sei ein permanenter Optimierungsprozess. „Wir wollen mehr Tierwohl, und bessere Erträge mit weniger Dünger und Pflanzenschutz“, erklärte der Verbandspräsident. Dauerkritik und ein schlechtes Image etwa als Tierquäler oder Umweltzerstörer bedrückten die Landwirte.

Hier drückt den Bauern der Schuh:

Preisverfall

Für viele Agrarprodukte sind die Preise im Keller, etwa für Schweinefleisch. Jüngstes Beispiel sind die niedrigen Milchpreise. Seit der Abschaffung der Milchquote zum 1. April 2015 ist der Preis auf etwa 26 Cent pro Liter gesunken. Im vergangenen Jahr hatte er noch über 40 Cent gelegen. Um kostendeckend zu wirtschaften, sind mindestens 40 Cent notwendig. Viele der bundesweit rund 80.000 Milchbauern bangen nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) wegen stark gesunkener Einnahmen um ihre Existenz. Allein in Schleswig-Holstein trifft der Preisverfall laut BDM die Milchbauern mit 281 Milllionen Euro Einbußen.

Bürokratie

Häufig ist die Klage über die bürokratischen Anforderungen und Auflagen, die nach Angaben des Landesbauernverbandes immer komplizierter werden und die Bauern viele Stunden an den Schreibtisch fesselt. Dazu zählen etwa die Agraranträge für die Direktzahlungen er EU, und eine Vielzahl von Meldepflichten (beispielsweise zum Einsatz von Antibiotika und zum Tierbestand). Viele Bauern fühlen sich von immer mehr Gesetzen und Verordnungen in ihrer wirtschaftlichen Existenz eingeschränkt.

Jüngstes Beispiel für Streit im Land ist die Novelle des Landesnaturschutzgesetzes. Der Bauernverband und andere Nutzerverbände kritisieren die am Dienstag vom Kabinett beschlossene Novelle des Landesnaturschutzgesetzes massiv. Sie sehen darin eine Abkehr vom kooperativen Naturschutz hin zu von oben verordneten Naturschutz. Auch die Knickregelung und die Jagdzeitenverordnungen stoßen den Landwirten auf.

Schlechtes Image

Die Dauerkritik in den Medien und das schlechte Image etwa als Tierquäler oder Umweltzerstörer - auch dies macht vielen Landwirten zu schaffen. Verbraucher hätten immer noch Bildern eines romantischen Landlebens im Kopf und über die Anforderungen an die heutige moderne, arbeitsteilige Landwirtschaft nicht wirklich im Bild, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, auf dem Deutschen Bauerntag im Juni. Aber: „Nachhaltigkeit, Umwelt- und Tierschutz hängen nicht von der Größe der Betriebe oder Ställe ab“, sagte Rukwied.

 
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