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Kommentar zu Prokon : Gutmenschentum frisst Gehirn

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Prokon droht den Anlegern: Wenn ihr eure Genussscheine kündigt, gehen wir in die Insolvenz. Eine Frechheit. Ein Kommentar von Joachim Dreykluft.

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erstellt am 12.Jan.2014 | 13:37 Uhr

Itzehoe | Diese Firma hat etwas. Etwa ein klares Feindbild. Das besteht aus dem gefühlten Establishment aus Wirtschaft, Konzernen, Politik und Medien, die das Besondere an Prokon nicht verstehen. Nicht verstehen wollen. „Bereits im Mai dieses Jahres haben wir entschieden, nicht mehr mit den Medien zusammenzuarbeiten“, heißt es auf der Website. Warum auch? Die kapieren uns eh nicht. Weil wir etwas Besonderes sind, etwas Einzigartiges.

Prokon hat eine klare Zielgruppe. Ökologisch fühlende Menschen, die der Überzeugung sind, dass irgendetwas nicht stimmt am System, dass man Dinge anders machen muss, neue Wege gehen, um die Welt besser zu machen. Die Emotionalität dieser nicht kleinen und nicht unvermögenden Gruppe hat Prokon in den vergangenen Jahren perfekt bedient.

„Wir“ schaffen gemeinsam etwas Neues, etwas Besseres. Wir geben dafür unser Geld. Und bekommen auch noch eine anständige Rendite. Nicht das mickrige eine Prozent, das die bösen Banken gerade anbieten. Nicht die unwahrscheinlich klingenden zweistelligen Renditen, mit denen Finanzbetrüger wie Bernard Madoff einst die Gierigen angelockt haben. Wir bekommen die goldene Mitte, sechs bis acht Prozent, nicht ganz unzufällig eine Zahl, die wir aus den alten Zeiten kennen, als es noch die guten Dinge gab.

Früher hieß es bei Geldanlagen: Gier frisst Gehirn. Bei Prokon muss man das umformulieren: Gutmenschentum frisst Gehirn.

Wie „windig“, um diese in diesem Zusammenhang abgedroschen klingende Metapher zu bemühen, das Geschäftsmodell von Prokon wirklich ist oder auch nicht, werden die nächsten Monate, vielleicht auch erst Jahre, zeigen.

Was die Prokon-Anleger aber nicht bedacht haben, weil das Thema ja so kompliziert ist, dass sie lieber ihrem Gefühl als ihrem Verstand vertrauen: Prokon macht genau das, woran Finanzjongleure wie etwa die Chaosbank IKB zusammengebrochen sind: Prokon finanziert langfristige Investitionen wie Windparks mit kurzfristigen Finanzinstrumenten wie Genussscheinen, die innerhalb von sechs Monaten kündbar sind. Solange immer frisches Geld hereinkam, war das auch kein Problem.

Jetzt tun Anleger das, was ihr gutes Recht ist und womit um ihr Geld geworben wurde: Sie nutzen ihr Recht zum kurzfristigen Ausstieg.

Und was tut Prokon? Sie stellt die Kündiger als Abtrünnige dar. Als außerhalb der Gemeinschaft Stehende. Als Schlechtmenschen. „Ich werde meine Genussrechte zeitnah kündigen. Eine Insolvenz von Prokon nehme ich bewusst in Kauf“, lautet der von Prokon vorformulierte Text, den die Kündiger unterzeichnen sollen. Eine Frechheit. Die aber genau in das Weltbild von Prokon und vieler Prokon-Anleger passt.

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