Nord- und Ostseeküste : Gut für Tourismus in SH: Ferien-Immobilien am Wasser erleben Boom

Ferien-Immobilien an Nord- und Ostsee sind als Anlageform begehrt wie nie. Im Vergleich dazu spielen Objekte in Spanien kaum eine Rolle.
Ferien-Immobilien an Nord- und Ostsee sind als Anlageform begehrt wie nie. Im Vergleich dazu spielen Objekte in Spanien kaum eine Rolle.

Die Flucht in Betongold beschert den Maklern an den deutschen Küsten einen Höhenflug. Das hat einen positiven Nebeneffekt.

shz.de von
22. Mai 2015, 14:11 Uhr

Kiel | Nord- und Ostseeküste profitieren mehr als jede andere Region in Deutschland von den niedrigen Zinsen: Weil Sparer kaum mehr attraktive Anlagemöglichkeiten auf dem Finanzmarkt finden, kaufen sie in einem nie dagewesenen Maß Ferienimmobilien. Und die Nähe zu Wasser und Strand steht für sie als Kaufmotiv an erster Stelle. Für die Hälfte von ihnen ist dies das Kriterium Nummer Eins. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Makler-Firma Engel & Völkers und des Internet-Portals Fewo-direkt.

Insbesondere seit vier Jahren erlebt die Ferien-Immobilie als Anlageform demnach einen Boom. Fast jeder dritte der 4410 befragten Eigentümer hat seine Wohnung oder sein Haus in dem Zeitraum gekauft. Ein besonders krasses Indiz dafür, dass es vor allem darum geht, Geld sicher unterzubringen: Jeder Dritte konnte den Kaufpreis ohne Bankkredit begleichen. Und die Hälfte der Kunden deckte mindestens 50 Prozent der Investitionssumme über Eigenkapital ab. Die Investoren verzeichneten in den letzten vier Jahren eine Rendite von durchschnittlich 7,9 Prozent. Fast jede zweite Immobilie stieg zudem im Wert.

Über die Hälfte aller erworbenen Ferienwohnungen und -häuser liegen in Deutschland, 30,5 Prozent an der Ost- und 24,5 Prozent an der Nordsee. Spanien folgt auf Rang drei abgeschlagen mit zehn Prozent. Eine gute Erreichbarkeit ist wichtig, weil die Eigentümer im Schnitt sechs Wochen im Jahr ihr zweites Domizil selbst nutzen. 60 Prozent vermieten auch. Mehr als jeder zweite Käufer hat in der Region bereits mindestens fünf Urlaube verbracht. Bei rund der Hälfte der Objekte handelt es sich um eine Wohnung in einem Mehrparteienhaus. Knapp mehr als die Hälfte der Befragten legte sich eine Bestandsimmobilie zu; etwa jeder Vierte kaufte ein Grundstück und baute darauf neu.

„Da der Nachfrage-Boom mit einer Modernisierungswelle verbunden sein dürfte und die meisten Eigentümer vermieten, profitiert der Tourismus in Schleswig-Holstein insgesamt von der Investitionsneigung der Anleger“, freut sich Wirtschafts- und Tourismusminister Reinhard Meyer. Der Trend erleichtere auch die Entwicklung neuer Feriensiedlungen etwa in Heiligenhafen, der Marina Wendtorf an der Ostseeküste im Kreis Plön sowie auf dem Priwall bei Travemünde. „Im Vergleich zu den Vorjahren scheint der Abverkauf dort augenblicklich deutlich einfacher zu sein“, beobachtet Meyer. Hauptinteresse Schleswig-Holsteins sei, dass die neu geschaffenen Anlagen touristisch-gewerblich genutzt werden. Dazu würden in der Regel in den städtebaulichen Verträgen entsprechende Regelungen zwischen den Gemeinden und den Investoren getroffen.

In der Tat belegt der Markt-Report, dass zuletzt vor allem der Bestand von Ferienimmobilien an der Festlandküste der Ostsee zugenommen hat – allerdings deutlich stärker in Mecklenburg-Vorpommern, das auch im Vorfeld bei der Zahl der Objekte vorn lag. Für die Nordsee sieht die Studie beim Umfang Niedersachsen vorn.

Im Durchschnitt ließen die Käufer 174.000 Euro springen. Jedes zweite Objekt war zwischen 100.000 und 250.000 Euro teuer. Am teuersten sind Objekte auf den Nordsee-Inseln mit im Schnitt 4400 Euro pro Quadratmeter. Die Ostsee-Inseln – außer Fehmarn also in Mecklenburg-Vorpommern – sind fast um die Hälfte günstiger. Umgekehrt am Festland: Da erweist sich die Ostsee mit einem Quadratmeter für 2300 Euro als sehr viel kostspieliger als die Nordseeküste mit 1600 Euro. Nur in Schleswig-Holstein stehen 194.000 Euro pro Objekt am Ostsee-Festland 160.000 Euro am Nordsee-Festland gegenüber.

Auch die Sparkassengruppe in Schleswig-Holstein bestätigt einen stetig florierenden Markt mit Ferienimmobilien: „Wir stellen ein kontinuierliches Wachstum fest“, sagt die Sprecherin der LBS Bausparkasse, Sabine König. Sylt, Amrum und Föhr sowie die Lübecker Bucht und Fehmarn erlebten die größte Nachfrage. Auf den Nordseeinseln hätten die Preise allein innerhalb der letzten zwölf Monat um zwölf Prozent zugelegt. Weitere Kapazitäten auf neuen Grundstücken hält König in Schleswig-Holstein nur eingeschränkt für realistisch: „Die Lagen am Wasser oder in der Nähe sind bereits sehr gut erschlossen. Es gibt kaum Regionen, in denen Kommunen hier noch zusätzliche Optionen hätten.“

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