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Energiewende : Grüne Glücksritter und schwarze Schafe

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Bei der Umstellung auf Ökostrom stehen die Verbraucher zur Zeit als Verlierer da. Einige wenige fahren hingegen fette Gewinne ein.

Flensburg | Die Energiewende ist eines der großen Streitthemen in Schleswig-Holstein. Und wie so oft geht es auch in diesem Streit um Geld – um viel Geld. Beispiel Windenergie: Allein das Gewerbeaufkommen, rechnet eine aktuelle Windcomm-Studie vor, könnte beim Ausbau auf eine Leistung von 11.700 Megawatt bei 133 Millionen Euro im Jahr 2021 liegen. Das zeigt: Wer in Windkraft investiert, kann am Ende gut verdienen.

Doch es ist nicht nur der persönliche Reichtum der Öko-Unternehmer: Auch der zuletzt erneut gestiegene Aufpreis den die Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Verbrauchern beschert, sorgt für Unmut.  Sie zahlen, damit  der Ausbau der erneuerbaren Energien sichergestellt wird – ein attraktives Investment für Kapitalanleger.

Das Capital-Magazin berichtete jüngst über einen Goldrausch in der schleswig-holsteinischen Energiebranche. Pro Windrad könnten Bauern an guten Windstandorten im Norden mehr als 50.000 Euro Pacht verdienen. Und mit etwas Glück und Geschick ziehen Grundeigentümer nicht nur eine Mühle, sondern ganze Windparks an Land. Auf der einen Seite stehen dann Besitzer von Windeignungsflächen, für die sich die Energiewende wie ein Lottogewinn anfühlen dürfte. Auf der anderen Seite gehen viele Menschen leer aus, die gerne von der Energiewende profitieren würden, es aber nicht können. Einige stören sich am Lärm der Windräder, das zerstörte Landschaftsbild. Naturschützer gehen auf die Barikaden und wieder andere plagt einfach der Neid. Ganze Dörfer hat das zerstritten.

Dabei legt eine Trend-Research-Studie nahe, dass an erneuerbaren Energien viel mehr Menschen verdienen als bei konventioneller Energieerzeugung: Die meisten Ökostromanlagen gehören Privatpersonen (35 Prozent) und Landwirten (11 Prozent). Fakt ist aber auch: Der Anteil von Stromproduzenten an der Gesamtbevölkerung ist verschwindend gering. Trotzdem sagt Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD): „In Schleswig-Holstein können sowohl Bürger als auch Gemeinden von Wertschöpfungseffekten in Millionenhöhe durch Windkraft profitieren.“  Schließlich haben dem Ministerium zufolge in Schleswig-Holstein bereits 7000 Menschen beruflich mit der Branche zu tun.

Öko-Millionäre in Schleswig-Holstein? Für Reinhard Christiansen sind das Gerüchte. Als Geschäftsführer mehrerer Bürgerwindparks wie der ARGE-Netz GmbH ist er ein gefragter Experte. Zwar würden vor allem ältere Windparks gute Renditen einfahren, neuere Anlagen seien davon allerdings weit entfernt: „Mittlerweile haben wir ganz andere Kosten. Wir müssen heute die Mittelspannungsleitungen und die Umspannwerke selber bezahlen. Das gab es früher in der Form nicht.“

Wenn Grundeigentümer Pachten von über 50.000 Euro bekommen, seien das Auswüchse, aber nicht die Regel. „Ursache dafür sind eigentlich Planungsfehler. Vielerorts waren deutschlandweit agierende Planungsbüros schneller als die Gemeinden oder Interessengruppen in den Dörfern“, erklärt der gelernte Landwirtschaftsmeister. Diese hätten teilweise deutlich lukrative Vorverträge mit den Landwirten gemacht. Ein Bürgerwindpark könne da nicht mithalten. Auf 15.000 Euro beziffert Christiansen die Pacht, die ein Bauer für eine Drei-Megawatt-Analge bekommt, wenn er Teil eines Bürgerwindparks ist. „Viele Bauern akzeptieren das, weil sie für die Sache sind oder auch dem sozialen Druck nicht standhalten wollen.“ Wer als Windmüller im Alleingang zu Reichtum kommt, kann am Ende im Dorf alleine dastehen.

Für Christiansen sind nicht die Betreiber, sondern die Händler Schuld an den hohen Strompreisen. „Wir produzieren unseren Strom für neun Cent. Die Versorger geben den Strom aber nicht günstig weiter.“ Schuld ist der Einheitsstrompreis. Besser wäre aus Sicht des Windmüllers eine Preisdynamik wie bei den Tankstellen. Wenn in der Mittagszeit die Windkraftanlagen gut laufen und viel Energie produzieren, müsste seiner Meinung nach auch der Strompreis am günstigsten sein. Verbraucher könnten dann beispielsweise ihre Wäsche in dieser Zeit preiswert waschen. Voraussetzung dafür wäre allerdings ein intelligentes Netz, wie es derzeit in Pellworm getestet wird.

Eine Debatte über Öko-Millionäre kann Reinhard Christiansen angesichts der derzeitigen Herausforderungen nicht verstehen: „Wir sind Unternehmer und jedes Unternehmen muss eine Rendite erwirtschaften. Wir sorgen dafür, dass hier mal Einnahmen passieren. Bei den Großkonzernen ist das Geld nicht in die Region geflossen. Das war weg.“

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erstellt am 08.09.2013 | 13:15 Uhr

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