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Flüchtlingskrise in Europa : Großer Wohnungsbedarf in Hamburg und SH

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In Lübeck werden über 1000 Wohnungen benötigt. Auch in Hamburg fehlen 10.100 Wohnungen.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2015 | 14:40 Uhr

Hannover/Kiel | Wegen des Zustroms an Flüchtlingen steigt der Wohnungsbedarf auch in Schleswig-Holstein erheblich. Allein in Lübeck werden rund 1030 Wohnungen für die Flüchtlinge, die in diesem Jahr kommen, zusätzlich gebraucht, geht aus einer am Montag veröffentlichten Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel Instituts in Hannover hervor. Nach Berechnungen der Wissenschaftler steigt der Bedarf für Lübeck in diesem Jahr damit auf rund 2040 Wohnungen. Im Schnitt wurden zuletzt in Lübeck lediglich rund 330 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt. „Es fehlen bezahlbare Wohnungen, vor allem aber Sozialwohnungen“, sagte Institutsleiter Matthias Günther. Ähnlich sieht es in Flensburg aus. Auch hier wird dringend günstiger Wohnraum benötigt, es fehlen an die 1000 Wohnungen.

Als weiteres Beispiel in Schleswig-Holstein nannte er den Kreis Dithmarschen. Dort werden in diesem Jahr rund 640 Wohnungen zusätzlich für Flüchtlinge benötigt. Der Gesamtbedarf 2015 liege damit bei rund 770 Wohnungen. In der Vergangenheit habe es aber pro Jahr nur etwa 300 neue Wohnungen in Dithmarschen gegeben.

Um „eine handfeste Wohnungskrise“ zu vermeiden, müsse dringend neuer Wohnraum her, sagte Günther. Um private Investoren zu gewinnen, schlägt das Pestel Institut steuerliche Anreize vor. Die vom Bund jetzt bereitgestellten 500 Millionen Euro, die die Länder bis 2020 jährlich für den sozialen Wohnungsbau bekommen sollen, werden nach Einschätzung des Instituts „hinten und vorne nicht reichen“.

Die Lücke auf dem Hamburger Wohnungsmarkt hat sich nach Berechnungen des Instituts wegen der großen Flüchtlingszahl verdoppelt. Für die in diesem Jahr angekommenen Flüchtlinge würden allein 10.100 zusätzliche Wohnungen benötigt, heißt es in der Wohnungsmarkt-Analyse im Auftrag der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt und mehrerer Verbände der Baubranche. Damit steige der Wohnungsbedarf insgesamt auf 20.230. Der Trend werde in den kommenden Jahren so bleiben.

In den vergangenen Jahren seien in Hamburg aber im Durchschnitt nur 5600 zusätzliche Wohnungen erstellt worden, hieß es. Es sei deshalb zwingend notwendig, die bisherige Neubaurate enorm zu steigern und beim Leerstand kräftig zu sanieren. Vor allem fehle es an bezahlbaren Wohnungen, also Sozialwohnungen.

Der Senat hatte zu Monatsbeginn angekündigt, bis Ende 2016 im Schnellverfahren etwa 5600 Wohnungen für Flüchtlinge zusätzlich zu bauen. Finanziert werden sollen die Häuser über Investoren. Die Baubranche fordert dafür steuerliche Anreize wie höhere Abschreibungssummen für die Zeit der Mietobergrenze. Für genossenschaftliche und kommunale Wohnungsunternehmen müsse es zinslose Darlehen und Investitionszulagen geben.

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