Annington und Gagfah : Groß-Fusion: 40.000 Wohnungen in SH betroffen

Die Deutsche Annington will einen Konkurrenten übernehmen. Beide Immobilien-Konzerne gelten nicht als „besonders mieterfreundlich“. Der Mieterbund Schleswig-Holstein ist alarmiert.

till_maj_0539 von
02. Dezember 2014, 06:35 Uhr

Kiel | Die Immobilienbranche steht vor einem folgenschweren Umbruch: Branchenriese Deutsche Annington will den Konkurrenten Gagfah übernehmen. Für Schleswig-Holsteins Wohnungsmarkt kommt die 3,5 Milliarden Euro schwere Übernahme einer Hiobsbotschaft gleich. „Mit jedem dieser Giganten für sich haben wir schon unsere Probleme“, warnt Jochen Kiersch vom Mieterbund Schleswig-Holstein. Beide haben zusammen fast 40.000 Wohnungen im Land und gelten nach Angaben von Kiersch nicht als „besonders mieterfreundlich“. Vielfach gebe es Ärger mit der Instandhaltung, Mieter würden – trotz begründeter Fälle von Mietminderungen – mit Mahnungen drangsaliert, Fragen würden nur verspätet oder halbherzig beantwortet.

Die beiden Unternehmen erhoffen sich durch den Zusammenschluss Kosteneinsparungen von rund 84 Millionen Euro im Jahr. Die Deutsche Annington bietet den Gagfah-Aktionären dafür eine Barzahlung und Aktien im Wert von 18 Euro je Anteilsschein. Mindestens 50 Prozent der Anteile müssen zusammenkommen, damit das Geschäft über die Bühne gehen kann. Auch das Kartellamt muss noch seine Zustimmung geben.

Bereits für das kommende Jahr kündigte die Deutsche Annington Investitionen von einer halben Milliarde Euro in den Wohnungsbestand an. Mit jährlichen Investitionen von 29 Euro pro Jahr und Quadratmeter Wohnfläche erziele die Deutsche Annington bereits heute einen Spitzenwert in der Branche, betonte ein Unternehmenssprecher.

Schon in der Vergangenheit hatte die Deutsche Annington dabei gezeigt, dass ihr Interesse gerade an norddeutschen Immobilien groß ist. Erst im Frühjahr hatte das Unternehmen die rund 9000 Wohnungen der Kieler Wohnungsbaugesellschaft gekauft. Schon 2003 hatte die Deutsche Annington mehr als 10.000 Wohnungen von der in Kronshagen bei Kiel ansässigen BIG Heimbau AG übernommen. Insgesamt schätzt Kiersch den Bestand der Düsseldorfer in Schleswig-Holstein inzwischen auf mehr als 30.000 Wohnungen – von bundesweit 184.000. In manchen Regionen hätten Deutsche Annington und Gagfah schon eine marktbeherrschende Stellung erreicht. 

Die Gagfah unterhält nach eigenen Angaben 4000 Wohnungen im Norden – verteilt auf Flensburg, Kiel und Lübeck. Bundesweit kontrolliert die Gafgah mehr als 144.000 Wohnungen. Sollte die Transaktion gelingen, entstünde am Ende ein Branchenprimus auf dem deutschen Immobilienmarkt mit rund 350.000 Mietwohnungen – mehr als die aktuelle Nummer zwei, vier und fünf der Branche zusammen als Bestand halten.

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