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Knicks, Baumreihen und Gräben : „Greening“-Prämie: So grün sind die Äcker in SH

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Agrarflächen in Schleswig-Holstein sind grüner als in anderen Bundesländern.

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2015 | 10:55 Uhr

Kiel | Im Vergleich zu anderen Bundesländern enthalten die Agrarflächen in Schleswig-Holstein einen hohen Anteil naturnaher Strukturen. Das ergibt sich aus den Anmeldungen der Nord-Bauern für die neu geschaffene „Greening“-Prämie. Sie wird ihnen in diesem Jahr erstmals aus den EU-Agrargeldern für das Bewahren ökologischer Vorrangflächen gewährt. Zu 48 Prozent haben die schleswig-holsteinischen Landwirte dafür so genannte Landschaftselemente wie Knicks, Baumreihen, Feldgehölze, Feuchtgebiete oder Gräben als Berechnungsgrundlage eingebracht. Im Bundesdurchschnitt machen diese hingegen gerade mal 2,4 Prozent aus.

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor. Landschaftselemente gelten als ökologisch besonders hochwertig. Dass der Norden besonders gut abschneidet, liegt nach Einschätzung des Bauernverbands in Rendsburg vor allem an dem nur hierzulande vorhandenen Knicknetz und daran, dass Schleswig-Holstein als einziges Bundesland Gräben für die Anrechnung der „Greening“-Gelder ins Spiel bringen kann. Dies geht auf die besondere Bedeutung der Entwässerungsgräben in der Marsch für das Ökosystem zurück. Deswegen haben sie schon nach altem Recht bei der Berechnung landwirtschaftlicher Flächen-Prämien eine Rolle gespielt. Dies wurde bei Einführung der neuen „Greening“-Regeln übernommen.

Bauernverbands-Generalsekretär Stephan Gersteuer betont, dass das „nach wie vor engmaschige Knick- und Grabennetz aufwändig zu unterhalten ist und bei der Bewirtschaftung mit den heutigen Maschinen einen nicht unerheblichen Nachteil bedeutet“. Die Struktur erweise sich jedoch „beim Greening als gewisser Ausgleich und Vorteil“.

Ein landwirtschaftlicher Betrieb muss seit diesem Jahr mindestens fünf Prozent seiner Fläche naturnah halten, um die „Greening“-Gelder kassieren zu können. Sie machen nach einer Schätzung des Bauernverbands durchschnittlich 30 Prozent aller Direktzahlungen an die Höfe im Land aus. 

Im Bundesdurchschnitt werden die naturnahen Vorrangflächen für das „Greening“ vor allem durch den Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten sowie von Leguminosen – Hülsenpflanzen, die die Nährstoffversorgung des Bodens anreichern – erreicht. Leguminosen kommen in Schleswig-Holstein nur zu 3,7 Prozent zum Tragen, Zwischenfrüchte und Untersaaten zu 35,7 Prozent.

Für den Geschäftsführer des Naturschutzbundes Nabu, Ingo Ludwichowski, zeigen die Zahlen, „dass die Knicks auch für die Landwirte ein Glücksfall sind“. Er habe deshalb nie den Widerstand vieler Bauern gegen die neue Knick-Verordnung des Landes verstehen können, die einen 50 Zentimeter breiten Schutzstreifen zwischen Erdwall und Acker vorschreibt – diesen Randstreifen könnten sich die Landwirte voll für die „Greening“-Prämie anrechnen lassen. Bauernverbands-Justiziar Michael Müller-Ruchholtz hält kritisch entgegen: Mit der Novelle des Naturschutzgesetzes wolle das Land die Voraussetzungen für die Landwirte wieder verschlechtern. Danach soll ein Landwirt zum Schutzstreifen weitere 50 Zentimeter hinzugeben,  wenn er den Knick für die „Greening“-Prämie einbringen wolle.

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