Angebot von EnBW : Gläubiger entscheiden über Prokons Zukunft

Windkraft ist eine wichtige Säule der deutschen Energiewende.
Windkraft ist eine wichtige Säule der deutschen Energiewende.

Ob EnBW Prokon wirklich kauft, ist noch ungewiss. Aber wenn es so kommt, sollen alle 300 Arbeitnehmer übernommen werden.

shz.de von
13. Mai 2015, 12:29 Uhr

Itzehoe | Der Karlsruher Energieversorger EnBW will im Falle eines Kaufs des insolventen Windenergie-Firma Prokon alle rund 300 Mitarbeiter des Kerngeschäfts übernehmen. Die Randaktivitäten von Prokon wie Holzverarbeitung oder Biomasse seien aber nicht Teil des angestrebten Deals und würden von der Insolvenzverwaltung in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert. „Für uns ist nur die Windkraft interessant“, sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux am Mittwoch während einer Telefonkonferenz.

Am Montag war bekannt geworden, dass EnBW Interesse an Prokon hat. Das Unternehmen EnBW mit Sitz in Karlsruhe plant, realisiert und betreibt Windparks in Deutschland, Polen und Finnland. Nach Eon und RWE ist die Energie Baden-Württemberg AG das drittgrößte Energienunternehmen in Deutschland.

Ob Prokon unter eigenem Namen bestehen bleiben oder vollständig in der EnBW als Marke aufgehen würde, ließ Mastiaux offen. „Dafür ist es viel zu früh“, sagte er.

Erst eine Gläubigerversammlung Anfang Juli stimmt über die Zukunft des Windunternehmens ab. Die Gläubiger müssen dann Farbe bekennen: Wollen sie als Eigentümer die Prokon-Windparks im Rahmen einer Genossenschaft fortführen oder das Vermögen an den Energieversorger EnBW verkaufen? In beiden Fällen werde die Insolvenzquote zwischen 50 und 60 Prozent liegen, sagte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin am Mittwoch in Hamburg. Anders gesagt: Fast die Hälfte des Geldes von mehr als 40.000 Anlegern ist verloren. Allein deren Kapital betrug 1,44 Milliarden Euro. Dazu kommen zahlreiche weitere Gläubiger wie Lieferanten, Beschäftigte und Sozialversicherungen.

Insgesamt fast 100.000 Gläubiger werden Anfang Juni von Penzlin Post bekommen: Zwei Insolvenz- und Sanierungspläne nebst Anlagen, dicke Pakete. „Wir wollen so das größtmögliche Maß an Transparenz herstellen und so den Anlegern eine fundierte Entscheidung ermöglichen“, sagte Penzlin. Er freue sich sehr, dass die Aktionäre eine Option hätten, was innerhalb eines Insolvenzverfahrens eher selten sei. Bis Ende Juni muss sich eine bestimmte Anzahl derjenigen Gläubiger, die Prokon mit Genussscheinen finanziert haben, zur Gründung einer Genossenschaft bereitfinden. Die endgültige Entscheidung, welchen Weg Prokon nehmen wird, trifft Anfang Juli eine Gläubigerversammlung in Hamburg.

EnBW will mit der Übernahme der Prokon-Windparks seine Ziele bei der Energiewende schneller erreichen oder sogar übertreffen. Der Ausbau Erneuerbarer Energien würde dadurch erheblich beschleunigt, sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux am Mittwoch. „Wir ziehen damit den Hochlauf unserer geplanten Investitionen deutlich nach vorne“, ergänzte Finanzvorstand Thomas Kusterer. Der Karlsruher Konzern und Prokon mit Sitz in Itzehoe (Schleswig-Holstein) hätten zusätzlich zu ihren schon gebauten Anlagen Windprojekte mit einer Leistung von zusammen rund 5000 Megawatt in der Pipeline, betonte Mastiaux. Möglichst viele davon sollten realisiert werden.

In Erneuerbare Energien will EnBW bis 2020 rund 3,5 Milliarden Euro stecken und damit pro Jahr ein operatives Ergebnis von rund 700 Millionen Euro erwirtschaften - etwa dreimal soviel wie derzeit.

Mastiaux warb intensiv für die rund 500 Millionen Euro teure Offerte an die Prokon-Gläubiger und Inhaber von Genussscheinen. Mit einem Kauf werde die Windenergie-Firma auf eine gesunde Kapitalbasis gestellt: „Wir haben den strategischen Willen und die Kapitalkraft“, sagte der EnBW-Chef. „Die Stärken der beiden Unternehmen ergänzen sich perfekt.“ Gemeinsam könne so ein „neuer, äußerst wettbewerbsfähiger Anbieter im europäischen Windmarkt entstehen“.

Die Anteilseigner, die sich in Form von Genussscheinen für insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro an Prokon beteiligt hatten, wolle man in den nächsten Wochen intensiv über die EnBW-Offerte informieren. EnBW bietet nach dpa-Informationen rund eine halbe Milliarde Euro. Das Geld soll bar an die Gläubiger und die Inhaber von Genussscheinen fließen. Das Angebot wird noch am Mittwoch notariell beurkundet und ist nicht verhandelbar.

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