130 Arbeitsplätze betroffen : Gießerei Kiel ist insolvent

Die Gießerei Kiel steht auf der Kippe: Die Gießereigruppe CT, zu der das Unternehmen gehört, hat Insolvenz angemeldet. Die 130 Mitarbeiter in Kiel hatten drei Jahre lang auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet.

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04. April 2013, 10:34 Uhr

Kiel | Die schwäbische Gießereigruppe CT, zu der auch die Gießerei Kiel gehört, hat Anträge auf Insolvenzeröffnung gestellt. Das bestätigte das Amtsgericht Aalen (Baden-Württemberg) am Mittwoch. Laut IG Metall arbeiten in der Gießerei Kiel 130 festangestellte Mitarbeiter, die jetzt um ihren Arbeitsplatz bangen müssen. Die Kieler Mitarbeiter hätten drei Jahre lang auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet, und vereinbarte Tariferhöhungen seien teilweise verschoben worden, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Diese Maßnahmen hätten aber letztlich nicht geholfen, die Insolvenz abzuwenden. Die Gruppe CT beschäftigt eigenen Angaben zufolge 800 Mitarbeiter in Deutschland.

Betroffen ist neben der Gießerei Kiel auch die Heidenheimer Gießerei sowie die SHW Casting Technologies mit drei Werken in Aalen, Königsbronn und Torrington in den USA. Vier weitere Gesellschaften der CT-Gruppe aus dem Ostalbkreis stellten ebenfalls einen Antrag. Vorläufige Insolvenzverwalter sind Arndt Geiwitz, Werner Schneider und Patrick Wahren, wie ein Sprecher bestätigte. Die Kanzlei betreut auch den weitestgehend abgewickelten Insolvenzfall der einstigen Drogeriemarktkette Schlecker.

Hoffnung für das Werk in Kiel

Dem Südwestrundfunk sagte Geschäftsführer Ulrich Severing, die SHW CT strebe den vollständigen Erhalt des Unternehmens an. Er gehe mit "sehr großer Gewissheit" davon aus, dass der Firma die Kunden erhalten blieben und hoffe, alle vier Standorte durch die Insolvenzverhandlungen zu bringen.

Nach Einschätzung von Peter Seeger, Geschäftsführer der IG Metall Kiel-Neumünster, könnte diese Hoffnung für Kiel realistisch sein. Denn Kiel sei Hauptzulieferer für das Unternehmen Caterpillar, das auch Schiffsmotoren herstelle. Die Gießerei liefere Motorblöcke. Wesentliche Ursache für die Insolvenz ist nach Meinung Segers der seit Jahren sich fortsetzende Umsatzrückgang und die mangelnde Nachfrage. "An diesem Beispiel zeigt sich wieder, dass Lohnverzicht langfristig keine Arbeitsplätze sichert", betonte Seeger. Dieses Instrument dürfe nur für einen Übergangszeitraum genutzt werden. "Die Beschäftigten würden sonst bei drohender Arbeitslosigkeit letztlich nur weniger Arbeitslosengeld erhalten."

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