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Krankenkassen in SH : Gesundheit wird nächstes Jahr teurer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der für 2015 angekündigte gesenkte Beitragssatz reicht nach Prognose der Krankenkassen zur Finanzierung nicht aus. Ein Zusatzbeitrag scheint unvermeidbar.

Noch schwimmen die Krankenkassen im Geld. Doch die Furcht ist groß, dass das Milliardenpolster des Gesundheitsfonds schneller schmilzt als Eis in der Sonne. Schon wird der Ruf nach Zusatzbeiträgen laut. „Genauso wie fast alle anderen Kassen werden wir mit den Finanzmitteln nicht auskommen, die man uns ab 2015 zubilligt“, erklärte am Donnerstag Schleswig-Holsteins AOK-Chef Martin Litsch. „Die Politik hat das so gewollt, sie senkt ab Januar den Beitragssatz von 15,5 auf 14,6 Prozent“, beschreibt Litsch die Ursache des Übels.

Die Beitragssenkungen, die von Gesundheitsminister Hermann Gröhe als Wohltat für die Bürger verkauft wurde, entpuppt sich jetzt als bittere Pille. Weil fast alle gesetzlichen Kassen mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds 2015 nicht mehr auskommen, müssen sie von der gesetzlich vorgesehen Möglichkeit Gebrauch machen, Zusatzbeitrag von ihren Versicherten verlangen. „Angesichts der enormen Preissteigerungen bei einigen Medikamenten und der von den Ärzten durchgesetzten Honorarsteigerungen reicht der neue Beitragssatz von 14,6 Prozent nicht aus“, ist Litsch sich sicher.

Allein steht er mit dieser Berechnung nicht. Auch sein Kollege Günter Wältermann von der AOK Rheinland/Hamburg rechnet fest mit der Erhebung der prozentualen Zuschläge im kommenden Jahr. Allein die Höhe ist noch ungewiss. Experten rechnen jedoch mit durchschnittlich 1,2 Prozent im kommenden Jahr und 1,7 Prozent im Jahr 2017. Damit würde die Belastung für die Bürger nicht – wie von Gröhe verkündet – sinken sondern steigen.
Anders als früher, als pauschale Zuschläge – meist 8 Euro – unabhängig von der Höhe des Einkommens veranschlagt wurden, wird der neue Sonderbeitrag prozentual auf das Einkommen berechnet. Er wird allein von den Arbeitnehmern getragen – nicht paritätisch auch von den Arbeitgebern.

Inzwischen haben auch zahlreiche Ersatzkassen signalisiert, dass ein Zuschlag unvermeidbar ist. „Die Absenkung um 0,9 Prozent werden wir nicht auffangen können und auch einen Zusatzbeitrag erheben müssen“, bestätigte gestern Volker Clasen von der Techniker Krankenkasse Schleswig-Holstein. Allerdings geht er davon aus, dass dieser Zuschlag nicht höher ausfällt als 0,9 Prozent und die Versicherten damit per saldo nicht mehr zahlen als heute.

Für die Kassen sind Zusatzbeiträge ein rotes Tuch. In der Vergangenheit reagierten die Versicherten nämlich höchst sensibel auf Zuschläge und wechselten scharenweise die Krankenkasse (sogenannter DAK-Effekt). Deshalb halten sich alle derzeit bedeckt und warten auf die Ergebnisse der Kostenschätzkommission, die Ende Oktober die Höhe des durchschnittlichen Zusatzbeitrages bekanntgeben will. Der ist jedoch nur eine Richtschnur. Einzelne Kassen können je nach Höhe ihre Rücklagen und Einschätzung ihrer Risiken drüber oder drunter liegen.


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erstellt am 18.Sep.2014 | 16:25 Uhr

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