Bewerbung um „MKS 180“ : German Naval Yards will mit TKMS Mehrzweckkampfschiff bauen

Ein U-Boot liegt auf dem Gelände der TKMS-Werft in Kiel. /Archiv
Ein U-Boot liegt auf dem Gelände der TKMS-Werft in Kiel. /Archiv

Im Rennen um den Milliardenauftrag ist noch die niederländische Werft Damen Shipyards.

shz.de von
07. August 2018, 17:19 Uhr

Kiel | Die beiden deutschen Werften German Naval Yards Kiel (GNY) und Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) wollen sich in einer Kooperation das größte Marine-Rüstungsprojekt Deutschlands sichern.

German Naval Yards Kiel habe für die Bewerbung um den Großauftrag zum Bau des Mehrzweckkampfschiffes „MKS 180“ die ebenfalls in Kiel ansässige TKMS mit ins Team geholt, bestätigten Sprecher beider Werften am Dienstag einen entsprechenden Bericht des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND). TKMS werde Unterauftragnehmer bei der Entwicklung und Konstruktion der Schiffe, sollte der Auftrag an German Naval Yards Kiel vergeben werden.

Der Großauftrag hat ein Gesamtvolumen von rund vier Milliarden Euro für den Bau von zunächst vier Schiffen, zwei weitere könnten folgen. Im Rennen um den Rüstungsauftrag soll auch noch das niederländische Unternehmen Damen Shipyards sein, wie das „Handelsblatt“ bereits im März berichtet hatte. Das Verteidigungsministerium äußerte sich bereits damals dazu nicht – mit Verweis auf vergaberechtliche Gründe.

TKMS und die Lürssen-Werft mit Hauptsitz in Bremen hatten ursprünglich als Konsortium ein Angebot gemacht, waren aber aus dem Wettbewerb um den Bau des Mehrzweckkampfschiffs ausgeschlossen worden.

Eine Entscheidung über die Vergabe dürfte nicht vor Frühjahr 2019 fallen, sagten Werftensprecher am Dienstag. Die europaweite Ausschreibung der Bundesregierung läuft noch bis Ende 2018.

GNY-Geschäftsführer Jörg Herwig sagte dem RND, „mit der Kooperation machen wir deutlich, dass wir den Wettbewerb gewinnen wollen. Wir sind dazu als Generalunternehmer jetzt optimal aufgestellt“. Mit dieser Kooperation gebe es nun eine Wertschöpfung für Deutschland von nahezu hundert Prozent.

TKMS-Chef Rolf Wirtz betonte die nationale industriepolitische Bedeutung der neuen Kooperation: „Mit dem gemeinsamen Angebot sichern wir den Erhalt des Marineüberwasserschiffbaus als Schlüsseltechnologie für Deutschland. Wenn German Naval Yards den Zuschlag erhält, wären nicht nur bei uns Arbeitsplätze gesichert, sondern in erheblichem Maße auch bei anderen deutschen Zulieferern.“

Mit dem „MKS 180“ will das Verteidigungsministerium ein völlig neuartiges Mehrzweckkampfschiff anschaffen. Die modular aufgebauten Schiffe sollen Angriffe unter Wasser, auf dem Wasser und in der Luft abwehren können. Sie sollen länger vor Ort bleiben können als die Fregatten, die aktuell im Einsatz sind. Die Schiffe sollen eine Besatzung von 180 Soldaten haben.

Im Vergabeverfahren „MKS 180“ tritt German Naval Yards Kiel als Generalunternehmer auf. Auf Basis der nun getroffenen Vereinbarung würde TKMS als Unterauftragnehmer laut Wirtz „einen erheblichen Teil der zu erbringenden Entwicklungs- und Konstruktionsleistungen übernehmen“.

„Für den Schiffbaustandort Kiel ist das ein starkes Zeichen!“, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zu der Kooperation. „Sollte German Naval Yards Kiel als letzter verbliebener deutscher Generalunternehmer den Wettbewerb gewinnen, sichert das viele Arbeitsplätze in weiten Teilen unseres Landes.“ Außerdem profitierten zahlreiche andere deutsche Zulieferunternehmen von einem solchen Milliarden-Projekt. „Ich wünsche mir sehr, dass das MKS 180 in Kiel gebaut wird und nicht im Ausland. Denn nur so bleibt das Knowhow in Deutschland“, sagte Günther.

Auch der SPD-Verteidigungspolitiker Thomas Hitschler begrüßte die Kooperation. „Überwasserschiffbau ist laut Koalitionsvertrag nationale Schlüsseltechnologie“, sagte Hitschler dem RND.

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