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Kommentar : Gefährlich und ungerecht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Verbraucherberatung ist in Finanznot. Das Land spart an der falschen Stelle, sagt Redaktionsmitglied Margret Kiosz.

shz.de von
erstellt am 09.Dez.2013 | 20:22 Uhr

Wer unabhängige Verbraucherberatung will, muss dafür auch Mittel bereitstellen – wer das versäumt, darf sich nicht wundern, wenn Bürger von Finanzhaien, Lebensmittel-Panschern und Abmahn-Anwälten über den Tisch gezogen werden. Insofern ist chronische Unterfinanzierung der Verbraucherzentrale ein riskantes Spiel.

Die Zahlen sprechen Bände: Im Schnitt geben die Bundesländer 49 Cent pro Einwohner für den Verbraucherschutz aus. Schleswig-Holstein liegt gut zehn Cent darunter und belegt beim Verbraucherschutzindex den 16. und letzten Platz. Von einst 23 Beratungsstellen sind ganze fünf übriggeblieben. Von 22,6 Vollzeitstellen zur Jahrtausendwende werden heute nur noch 9,5 vom Land finanziert. Das sind viel zu wenig, um Bürgern angesichts der erdrückenden Macht der Wirtschaftslobbyisten und einer immer aggressiveren und listigeren Werbung den Rücken zu stärken und das Gleichgewicht der Kräfte in unserer Konsumwelt zu wahren. Dabei nimmt gerade jetzt der Bedarf an neutraler Beratung besonders bei Finanzprodukten und aktuell im Energiebereich rasant zu.

Dass es um die Verbraucherberatung in Schleswig-Holstein noch nie so schlecht gestanden hat wie unter der Albig-Regierung, ist ein Trauerspiel. Zumal ja offensichtlich genug Geld da ist, etwa für überflüssige Logos und sinnentleerte Marketing-Gags wie den „Echten Norden“.

Statt Beratung und Verbraucherschutz hierzulande abzubauen, sollten sich die Regierungsparteien um eine grundsätzliche Neuausrichtung der Finanzierung kümmern. Als Oppositionspartei haben sie einst lauthals branchenspezifische Umlagen gefordert. Banken, Lebensmittelkonzerne, Versicherungen und Telefongesellschaften sollten zur Kasse gebeten werden, um das neutrale Beratungsangebot zu gewährleisten. Diese diskussionswürdigen Vorschläge haben SPD und Grüne – kaum an der Macht – über Bord geworfen und lassen die Verbraucher im Regen stehen. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch ungerecht, weil gerade sozial Schwache auf Rat und Hilfe der Verbraucherschützer angewiesen sind.

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