Windkraftunternehmen Prokon : Gebremster Windkraft-Ausbau in SH: „Können nicht nur auf Schleswig-Holstein warten“

Windernte: Der Prokon-Windpark in Schönwalde.
Windernte: Der Prokon-Windpark in Schönwalde.

Vor 25 Jahren gegründet, Neustart aus der Insolvenz als Genossenschaft: So arbeitet das Unternehmen Prokon für die Energiewende.

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24. September 2020, 19:45 Uhr

Itzehoe | Es ist ein Unternehmen der Superlative. Zunächst in negativer Hinsicht: Als die Prokon Regenerative Energien GmbH im Januar 2014 Insolvenz anmeldete, war es eine der größten Pleiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Dann die positive Wendung: Die vor gut fünf Jahren aus der Insolvenz gegründete Prokon Regenerative Energien eG ist mit fast 40.000 Mitgliedern die größte Energie-Genossenschaft Deutschlands.

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Diese habe 2019 im dritten Jahr in Folge ihre Ziele erreicht, sagt Vorstand Henning von Stechow. Prokon verdiene Geld und sei ein „solides Windkraftunternehmen, das sich im Kleid der Genossenschaft gut entwickelt“. Die breite Struktur mit Projektentwicklung, Betreiben von Windparks, Service und Stromverkauf sichere Stabilität. Auch die Diversifizierung habe sehr geholfen, sagt der Vorstand: Photovoltaik ist damit ebenso gemeint wie Windparks in Polen und neuerdings Finnland. Dort ist der erste Park in Betrieb gegangen und versorgt einen Google-Standort.

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Langwierige Genehmigungsverfahren in Deutschland

Für den heimischen Markt gilt: „Deutschland macht es einem nicht leicht“, sagt von Stechow und meint damit zum Beispiel die „Dauerbaustelle“ Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). „Wir haben gelernt, mit überschaubarer Planbarkeit zu leben.“ Sein Vorstandskollege Heiko Wuttke, der den Posten im Oktober weiterreicht an Andreas Neukirch, hat einen Wunsch: eine zentrale Genehmigungsbehörde mit gleichen Kriterien statt unterschiedlicher Regelungen in den Ländern und ihren Kommunen.

Weiteres Problem: Behörden seien unterbesetzt und teils nicht ausreichend digitalisiert. So dauern die Genehmigungsverfahren immer länger, eher drei Jahre statt früher sechs bis neun Monaten – und längst nicht immer mit der Garantie, dass es auch klappen wird. Die Genossenschaft habe eine große „Pipeline“ mit möglichen Projekten, sagt von Stechow. Dabei sei sie offen für innovative Themen wie Speicher- oder Wasserstofftechnologie. Doch sie müssen wirtschaftlich sein, Prokon werde sich nicht in einzelnen Themen verlieren, betont Wuttke: „Wir sind unseren Mitgliedern verpflichtet.“

Warten auf Windkraft-Ausbau in SH

Sachsen-Anhalt und Brandenburg sind die Schwerpunkte der Windpark-Projekte: „Wir können nicht nur auf Schleswig-Holstein warten“, sagt von Stechow. Es sei „extrem wichtig“ zu erfahren, wann sich die Bremsen für den Windkraft-Ausbau im Land wieder lockern: „Wir wollen hier wachsen, brauchen aber die Rahmenbedingungen.“

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Das gelte auch für das Repowering, mit dem neue Anlagen an die Stelle älterer Rotoren treten, für die teils nun die EEG-Förderung ausläuft, so Wuttke. Prokon erwarte, dass man sich im Land nicht sklavisch an die Regelung halten werde, wonach Windräder 1000 Meter entfernt von Wohnbereichen stehen müssten: „Eine pauschale Abstandsregelung macht keine Aussage über die Akzeptanz.“

Und dann sind da noch die Klimaziele. Um sie bis 2030 zu erreichen, müsse schnell wieder in den Zubau-Modus geschaltet werden, sagt von Stechow. Dazu brauche es jährlich neue Windräder mit einer Leistung von 4000 bis 6000 Megawatt – zuletzt seien es 1000 Megawatt pro Jahr gewesen, während viele alte Rotoren vom Netz gingen.

Die Akzeptanz müsse wieder steigen, ein Ansatz sei dabei eine finanzielle Beteiligung der Kommunen im Umkreis eines Windparks, wie sie die EEG-Novelle vorschlage. Das Thema müsse in der Gesellschaft verankert werden, meint der Vorstand. Gelingen werde die Energiewende nur, wenn die Bürger mitgenommen würden: „Welches Modell ist dafür geeigneter als eine Genossenschaft?“

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