zur Navigation springen

DEHOGA SH : Gastronomen warnen vor „Bürgerhäusern“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die durch öffentliche Gelder finanzierten Dorfgemeinschaftshäuser in ländlichen Gemeinden können ein Segen für die Bürger und Fluch für ansässige Gastronomen sein.

von
erstellt am 14.Sep.2014 | 15:29 Uhr

Flensburg | „Es gibt Orte, wo ein Dorfgemeinschaftshaus (DGH) nicht hingehört, weil es das wirtschaftliche Gefüge zerstört“, warnt Lutz Frank, Vize-Präsident des Dehoga Schleswig-Holstein und Vorsitzender der Fachgruppe „Gastronomie“, und nennt ein Beispiel: „Die zum Kreis Segeberg gehörende Kommune Blunk hat ihr ältestes Bauernhaus 1991 aufgekauft und 1993 als saniertes DGH eröffnet. Doch mit den beiden gut aufgestellten Restaurants Alter Bahnhof und Schulze-Hamann ist die Gemeinde bereits bestens mit Gastronomiebetrieben versorgt. Warum wird bei knappen öffentlichen Kassen dann so ein Projekt gefördert?“

Nicht selten wurde in der Vergangenheit durch Verlagerung von privaten Feierlichkeiten in die günstigen DGHs, auch „Bürgerhäuser“ genannt, den ortsansässigen Gastwirten wichtiges Geschäft abgezogen mit der Folge, dass einige vor dem wirtschaftlichen Ruin standen. Oder die Gemeinde sucht sich für das DGH einen Betreiber, der meist eine geringe Pacht zahlen muss. „Wir können nur an die Kommunen appellieren, gerechtfertigte Mieten zu nehmen, um Bevorteilung zu vermeiden“, erklärt Lutz Frank.

Damit die Balance auf dem Lande erhalten bleibt, wird immer öfter der Verband in den Entscheidungsprozess integriert. „Unser Wissen und Rat ist gefragt. Heute erteilen die Ausschüsse zur Verteilung von Fördergeldern für DGH beim Wirtschaftsministerium in Kiel die Auflage, erst den Dehoga Schleswig-Holstein um Einschätzung und Stellungnahme zu konsultieren“, sagt Peter Bartsch, Ehrenpräsident des Dehoga Schleswig-Holstein und fügt hinzu: „Diese Praxis betreiben wir in Dithmarschen schon seit mehr als zehn Jahren und laufen gut damit.

Wir haben erreicht, dass die Anhörung von Gastronomen in einem größeren Radius von heute fast 25 Kilometer ausgeweitet wurde. Die betroffenen Betriebe wie auch ich als Kreisvorsitzender des Dehoga Dithmarschen müssen schriftliche Stellungnahmen abgeben. Dabei geht es um die Beurteilung der Auswirkungen eines DGH auf die wirtschaftliche Situation des ansässigen Gastgewerbes. Wir bringen aktuell z. B. ein neues Projekt in Hennstedt-Dithmarschen mit auf den Weg, wo die Gemeinde ein DGH anstelle eines alten Gasthofs mit Gaststätte und Festsaal plant. Das gesamte Umfeld wurde befragt und alle haben sich positiv dafür ausgesprochen.“

Hintergrund In den 1920ern entstanden die ersten Dorfgemeinschaftshäuser im Gebiet des heutigen Landes Baden-Württemberg. Sie dienten der Strukturstärkung im ländlichen Raum. Hessen und Bayern übernahmen die Idee und bauten 1950 in mehreren Dörfern solche gemeinschaftlich nutzbaren Häuser. Damals enthielten sie neben einem Gemeinschaftsraum, eine Bibliothek, Waschküche und manche auch noch ländliche Räume wie Mosterei, Vorratsraum, Schlachterei und Backstube.

Die Finanzierung der Dorfgemeinschaftshäuser, die auch Bürgerhäuser genannt wurden, erfolgte paritätisch durch die Gemeinde und das Land. Später folgten fast alle alten Bundesländer diesem Beispiel.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen