Mehrkosten : Gaspreis im Norden zieht an

Gas wird teurer: Auf den Durchschnittshaushalt mit vier Personen kommen nach Expertenschätzung Zusatzkosten von knapp 150 Euro jährlich zu.  Foto: dpa
Gas wird teurer: Auf den Durchschnittshaushalt mit vier Personen kommen nach Expertenschätzung Zusatzkosten von knapp 150 Euro jährlich zu. Foto: dpa

Nach einem kalten, verregneten Sommer droht vielen Haushalten im Norden ein teurer Winter. Verbrauchern stehen satte Preiserhöhungen beim Gas ins Haus.

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26. August 2011, 09:22 Uhr

Hamburg/Kiel | Dem Verbraucherportal Toptarif zufolge wollen im September und Oktober mindestens 253 Versorger ihre Tarife um durchschnittlich 10,9 Prozent anheben. Bereits in den Sommermonaten Juni bis August kletterten die Preise demnach bei mehr als 100 Grundversorgungsunternehmen um 10,8 Prozent.
Daniel Dodt von Toptarif zufolge bedeutet dies für einen Durchschnittshaushalt mit vier Personen zusätzliche Kosten in Höhe von 144 Euro. "In der Spitze können jährlich sogar über 400 Euro mehr berechnet werden", so der Experte. In Schleswig-Holstein heben unter anderem die Stadtwerke in Lübeck, Rendsburg, Glückstadt sowie die Vereinigten Stadtwerke aus Ratzeburg ihren Gaspreis an. Erheblich teurer wird es im Norden vor allem bei den Stadtwerken Ahrensburg. Diese erhöhen den Grundversorgungstarif für einen Familienhaushalt um satte 14,8 Prozent. Die Stadtwerke Elmshorn verlangen künftig 13,6 Prozent mehr vom Kunden.
Eon Hanse plant keine Erhöhung
Verantwortlich für den Wiederanstieg sind nach Einschätzung von Energieexperten vor allem die anziehenden Ölpreise, an die die Gaspreise über die Verträge der Gasimporteure gekoppelt sind. Im Einzelfall ist die Beschaffungsstrategie der Versorger entscheidend. Wer Gasmengen über Spotmärkte beziehen kann, hat gegenüber anderen, die in festen Abnahmeverträgen stecken, Preisspielräume nach unten.
Die weltweite Finanzkrise hatte die Nachfrage nach Energie 2009 stark absinken lassen. Hierdurch waren größere Gasmengen vor allem auf den Spotmärkten verfügbar mit der Folge fallender Preise. Diese Entwicklung brachte den Ferngaslieferanten Eon Ruhrgas in die Bredouille. Das Unternehmen, das erhebliche Gasmengen von der russischen Gazprom in langfristigen Verträgen bezieht, konnte auch in langen Verhandlungen keine Preiszugeständnisse bei den Russen durchsetzen. So muss Eon das Gas zum Teil billiger verkaufen als es ein gekauft wurde. Folge: Das Gasgeschäft im Großhandel wird Eon in diesem Jahr in die roten Zahlen stürzen. Beim Gasgeschäft will Eon 2011 nicht mehr an der Preisschraube drehen: Außer Eon Avacon würden bis zum Jahresende alle anderen Eon-Regionalgesellschaften die Preise stabil halten, hieß es. Auch Kunden von Eon Hanse dürfen sich somit freuen.

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