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Probleme mit Grundwasser : Gaspipeline-Bau in SH stockt erneut

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tiefe Gräben für die Rohre greifen in den Naturhaushalt ein. Die Fertigstellung verschiebt sich ins Jahr 2015.

Jübek/Wanderup | Der Bau der Gaspipeline zwischen der dänischen Grenze und Fockbek bei Rendsburg wird – anders als geplant – bis Jahresende nicht mehr zu schaffen sein. „Eine Fertigstellung im Dezember ist unrealistisch“, teilte der Sprecher des niederländischen Gasnetz-Betreibers „Gasunie“, Philipp von Bergman-Korn, auf Anfrage unserer Zeitung mit. Als Grund nannte er anhaltende Probleme mit der Grundwassermenge, die während dem Verlegen der Rohre abgepumpt werden darf.

Bereits vor zwei Monaten war deshalb der Aushub der Gräben auf weiten Teilstrecken der Trasse gestoppt worden. Schwierigkeiten bereiten unter anderem Zonen zwischen Jübek und Wanderup sowie rund um Klein Rheide. Die Leitungen lassen sich in diesen Gebieten nur verlegen, wenn für die Dauer der Bauarbeiten Grundwasser in andere Bereiche des Untergrunds verpresst wird. Das ist ein sensibler Eingriff in den Naturhaushalt. Deshalb wurde in dem Planfeststellungsverfahren für die Pipeline die Grundwassermenge begrenzt, die angetastet werden darf. Grundlage dafür waren ingenieurtechnische Berechnungen.

Die erwiesen sich jedoch in der Praxis als zu niedrig, um die Gräben trocken zu bekommen, schildert von Bergman-Korn. „Es gibt deutliche Abweichungen bei den Mengen. Das war eine Überraschung.“ Von bis zu 30 Prozent ist die Rede. Deshalb verhandelt „Gasunie“ mit dem „Amt Planfeststellung Energie“ beim Kieler Umweltministerium über eine Änderung des Planfeststellungsbeschlusses. Ziel: eine Erlaubnis, beim Bau mehr Grundwasser ableiten zu dürfen. Die Firma bezeichnet die Gespräche als „konstruktiv“; es gebe jedoch „eine sehr komplexe Situation“.

„Soweit möglich“ hat „Gasunie“ die Zeit genutzt, um von der Grundwasserproblematik nicht betroffene Abschnitte unter die Erde zu bringen. Von den geplanten 64 Kilometern sind mittlerweile 22 Kilometer fertig, jedoch zersprengt auf einen Flickenteppich. Beispielsweise sind 40 von insgesamt 60 anstehenden Straßenkreuzungen unterquert. Gleiches gilt für die Treene und das Naturschutzgebiet Bollingstedter Au. Dort stellte sich die Grundwasserproblematik nicht, weil mit Rücksicht auf den besonders hohen Schutzstatus der dortigen Natur ein Bohrverfahren angewandt wurde.

Mit der neuen Pipeline soll vor allem der Export von Erdgas nach Dänemark gesichert werden. Aber auch das geplante Gaskraftwerk in Kiel und das bestehende in Flensburg können mit Hilfe der Leitung – und einem Abzweiger – durch die Pipeline versorgt werden.

Um die Rohre auf Schleswig-Holsteins derzeit längster Baustelle zu verlegen, wird zwischen zwei und 2,20 Meter tief gegraben. Zwischen der oberen Kante der Rohre und der Erdoberfläche liegt nach Unternehmensangaben rund ein Meter Erde. Diese so genannte Überdeckung ist in Industrienormen des Deutschen Verbands der Gas- und Wasserwirtschaft festgelegt. Äußerlich sei der exakte Verlauf der Trasse nicht erkennbar, sagt von Bergman-Korn. „Gasunie“ überfliege die Gebiete mit seinen Pipelines regelmäßig, um zu prüfen, ob es Hinweise auf gibt.

Ursprünglich waren die Kosten des Pipeline-Baus auf 180 Millionen Euro beziffert worden. Zur Frage, wieweit sie sich durch die Verzögerungen erhöhen, wollte sich „Gasunie“ nicht äußern. Unter anderem fallen höhere Entschädigungen für die Landwirte an, die ihren Boden mit Rücksicht auf die Bauarbeiten derzeit nicht nutzen können. Auf einen neuen Termin für die Einweihung der Trasse mag sich von Bergman-Korn derzeit nicht festlegen: „Eine Reihe von Unsicherheiten spricht dagegen, dass ich einen Zeitplan nenne.“

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erstellt am 25.Aug.2014 | 07:35 Uhr

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