Arbeitsmarkt in SH : Flüchtlinge in der Ausbildung – Arbeitsagentur erwartet Anstieg

Gelungene Integration braucht Ausbildung und Arbeit: Ansatz des Projekts „Land in Sicht“.
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Im vergangenen Jahr nahmen 319 Geflüchtete eine berufliche Ausbildung auf.

Viele Flüchtlinge wollen direkt Geld verdienen, statt einen Beruf zu lernen. Aber die Zahl der Azubis unter ihnen steigt.

shz.de von
12. Februar 2018, 18:12 Uhr

Neumünster | Die Integration von Flüchtlingen in die Berufsausbildung kommt in Schleswig-Holstein schrittweise voran. Im vergangenen Jahr nahmen 319 Geflüchtete eine berufliche Ausbildung auf und damit drei Mal so viele wie 2016 (106), sagte die Regionaldirektorin der Agentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, am Montag in Neumünster. Sie gehe davon aus, dass die Zahl für das laufende Jahr noch deutlich höher sein werde. Bisher ist der Anteil der Flüchtlinge noch relativ gering – gemessen an der Tatsache, dass allein 2015 rund 35.000 ins nördlichste Bundesland kamen und darunter sehr viele junge Leute waren.

Haupt-Koopmann und Bildungsministerin Karin Prien (CDU) unterschrieben in Neumünster eine Rahmenvereinbarung zur Förderung von Auszubildenden mit Migrationshintergrund. Bei deren Integration gelinge bereits einiges, aber der Weg sei noch weit, sagte Haupt-Koopmann. Manche kämen morgens zu spät oder akzeptierten eine Frau als Chefin nicht, anderen seien acht Stunden am Tag zu viel. Wiederum andere müssten ihre Schlepper bezahlen und arbeiteten deshalb lieber, als einen Beruf zu lernen.

Haupt-Koopmann rief die Arbeitgeber auf, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Es gebe Beispiele, wo es nach mehreren Trennungen im vierten Anlauf dann geklappt habe.

Zurzeit absolvieren gut 250 junge Flüchtlinge Einstiegspraktika

Der Geschäftsführer des Neumünsteraner Hotels „Prisma“, Burghard Wesselmann, hatte zur Pressekonferenz seinen Kochlehrling Mahdi Sayed Hosseini (24) mitgebracht. Der Iraner kam vor zwei Jahren aus Afghanistan über die Balkanroute nach Deutschland und nahm seine Lehre nach einem einjährigen Langzeitpraktikum auf. „In der Praxis ist er sehr, sehr gut“, lobte Wesselmann. „Jetzt werden wir die Berufsschule auch noch knacken und die Prüfung auch.“

Für die Prüfungsverordnung der IHK wünscht sich der Hotelchef eine flexiblere Ausgestaltung, um die Chance zu erhöhen, dass Migranten auch den theoretischen Teil bestehen können. Die 60 Mitarbeiter des Hotels kommen aus zehn Nationen. „Wir sind ein Multikulti-Hotel in Bezug auf die Gäste und jetzt auch auf die Mitarbeiter“, sagte Wesselmann. Zurzeit absolvieren in Schleswig-Holstein gut 250 junge Flüchtlinge zur Erstqualifizierung Einstiegspraktika, wie es auch Hosseini getan hat.

Flüchtlingen gute Zukunftschancen zu geben, trägt aus Sicht von Bildungsministerin Prien perspektivisch zur Fachkräftesicherung bei, vor allem aber zur Integration. Den Berufsschulunterricht zu bewältigen, sei nicht leicht, wenn es mit der deutschen Sprache noch nicht so gut klappe. Deshalb könnten Geflüchtete von jetzt an während der gesamten Ausbildungszeit vier Wochenstunden Sprachunterricht zusätzlich bekommen. Eine Kooperation des Landes mit der Arbeitsagentur, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie den Berufsschulen mache dies möglich. Dafür stelle das Ministerium 20 zusätzliche Lehrerstellen bereit, um den Geflüchteten beim Erlernen der deutschen Sprache mit mehr Unterricht zu helfen.

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