Lübecker Projekt : Fit bleiben für den Job - auch im Alter

2017 sind mehr als 24 Millionen Menschen in Deutschland zwischen 45 und 65 Jahre alt. Das geht aus Berechnungen der gesetzlichen Rentenversicherung hervor. Eine der Folgen: Auch die Zahl von Reha-Maßnahmen wird steigen. Foto: grafikfoto.de
2017 sind mehr als 24 Millionen Menschen in Deutschland zwischen 45 und 65 Jahre alt. Das geht aus Berechnungen der gesetzlichen Rentenversicherung hervor. Eine der Folgen: Auch die Zahl von Reha-Maßnahmen wird steigen. Foto: grafikfoto.de

Die Universität Lübeck will Reha-Maßnahmen für Ältere erforschen. Ein neues Projekt mit dem Universitätsklinikum und der Deutscher Rentenversicherung Nord geht an den Start.

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26. Juli 2011, 10:42 Uhr

Lübeck | Gesund und fit auch im Alter - was den Deutschen im Privaten ein dringendes Anliegen ist, wird auch für die Arbeitswelt immer wichtiger. Wie Medizin und Rehabilitationsmaßnahmen dabei am besten greifen können, ist indessen noch weitgehend unerforschtes Gebiet. Universität und Uniklinikum Campus Lübeck packen das Thema jetzt an: Zusammen mit der deutschen Rentenversicherung Nord ist die Sektion "Rehabilitation und Arbeit" gegründet worden, ausgerüstet mit einem Lehrstuhl, der deutschlandweit einmalig ist.
Die Gesellschaft altert und dünnt aus, qualifizierte Arbeitskräfte sind längst knapp. Entsprechend dringlich ist die Reha-Forschung. Doch die gehört in Deutschland bislang zu den vernachlässigten Sparten der Medizin.
"Arbeit bis 70 ist im Gespräch"
"Die Arbeit bis 67 Jahre ist beschlossen, Arbeit bis 70 ist im Gespräch", sagt Ruth Deck vom Institut für Sozialmedizin am Campus Lübeck und verweist damit auf die stetig wachsende Bedeutung der rehabilitationswissenschaftlichen Forschung. Denn der Gipfel ist, der Prognose der gesetzlichen Rentenversicherung zufolge, erst 2016/2017 erreicht: Dann sind mehr als 24 Millionen Menschen zwischen 45 und 65 Jahre - und damit in einem Alter, in dem überdurchschnittlich oft Reha-Maßnahmen notwendig werden.
Für die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Nord steht Reha-Forschung seit Jahren im Fokus. 223 Millionen Euro gibt die DRV allein im Norden (Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern) für Maßnahmen zur Wiedereingliederung ins Arbeitsleben aus. Eine Kooperation mit der Uni Lübeck gibt es, seit sich die Rentenversicherung finanziell an der Gründung des Instituts für Sozialmedizin beteiligt. Dass der neue Lehrstuhl samt eigener Sektion am Institut für Sozialmedizin angesiedelt ist, bezeichnet Uni-Präsident Peter Dominiak als "enorme Aufwertung des Instituts".
"Wir brauchen Ärzte, die etwas von Reha verstehen"
Jetzt soll stärker in die Tiefe geforscht werden. Seit eine gemeinsam von Uni und Rentenversicherung durchgeführte Studie an den Tag gebracht hat, dass ein Reha-Aufenthalt bei älteren Menschen weniger wirksam und weniger nachhaltig ist als bei jüngeren, stellt sich zwingend die Frage, ob man mit der alternden Arbeitswelt nicht ganz neue Wege im Gesundheitsbereich gehen muss. Antworten stehen aus.
Vor allem aber soll der neue Lehrstuhl für Rehabilitation und Arbeit Nachwuchs für das Medizin-Stiefkind generieren. Neun Stunden wird der künftige Professor oder die künftige Professorin lehren. "Wir brauchen Ärzte, die etwas von Reha verstehen", sagt Nathalie Gläser-Möller von der Rentenversicherung. Ob beispielsweise eine herkömmliche Maßnahme nach einem Infarkt bei älteren Menschen ebenso sinnvoll ist wie bei jüngeren, und somit das Geld dafür gut angelegt, ist für Ingrid Künzler, Vorsitzende der DRV-Geschäftsführung, angesichts der stetig wachsenden Kosten eine wichtige Frage. Genau die soll jetzt in Lübeck erforscht werden. Sechs Jahre lang übernimmt die Rentenversicherung die Kosten für die Professur in voller Höhe, zahlt die Stelle eines Wissenschaftlers zur Hälfte und die eines Verwaltungsangestellten zu einem Drittel, 150.000 Euro pro Jahr legt die Universität für das Forscherteam dazu. Die Stellen sollen nach dem Willen Dominiaks innerhalb eines Jahres besetzt werden.
(shz)

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