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Schutz von Schweinswalen : Fischerei: Verbot von Stellnetzen ist vom Tisch

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Um Schweinswale und Seevögel vor dem Ertrinken zu bewahren, verpflichten sich Fischer auf einen begrenzten Einsatz von Stellnetzen. Denn dort verenden die Tiere immer wieder. Naturschützer sind verärgert. Sie fordern andere Maßnahmen.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2013 | 16:41 Uhr

Eckernförde | Zum Schutz von Schweinswalen und Seevögeln vor qualvollem Ertrinken in Stellnetzen hat Umweltminister Robert Habeck (Grüne) mit beiden Fischereiverbänden in Schleswig-Holstein am Dienstag eine Vereinbarung abgeschlossen. Damit verpflichten sich die Fischer, im Sommer nur in begrenztem Umfang Stellnetze auszulegen, um Schweinswale weniger zu gefährden. Im Winter wollen sie die Gebiete meiden, in denen besonders viele Tauchenten Rast machen und Nahrung suchen. Das Ostsee Info-Center Eckernförde informiert per E-Mail, wenn die Seevögel eingetroffen sind. Wenn dort bereits Stellnetze ausliegen, sollen sie entfernt werden.

Ein räumliches und zeitliches Verbot der Stellnetzfischerei ist mit der Übereinkunft vorerst vom Tisch. Naturschutzverbände reagierten deshalb verärgert. Seevögel und Schweinswale sterben in unbekannter Zahl, weil sie sich bei der Nahrungssuche in den Maschen der Netze verfangen.

„Was wir vereinbart haben, ist nichts wert, wenn sich keiner daran hält“, räumte Habeck ein. Er halte ein vertrauensvolles Miteinander von Fischerei und Naturschutz für möglich. Die in Eckernförde unterzeichnete Vereinbarung gilt bis Ende 2017.

„Es war eine der schwierigsten Diskussionen dieses Jahres, sie hat allen viel abverlangt, und manch raues Wort ist gefallen“, sagte Habeck. Nun könne der Schutz der Tiere verbessert werden. „Ich weiß, dass manche Naturschutzverbände weitreichendere Maßnahmen wollten, und das ist ihre Aufgabe als Anwälte der Natur.“ Habeck hatte im Herbst zunächst avisierte Gebietssperrungen für Stellnetze ausgesetzt, um eine freiwillige Vereinbarung zu erreichen.

„Wir werden die Vereinbarung gemeinsam umsetzen“, versicherte der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes, Lorenz Marckwardt. Die Fischer wollten helfen, ungewollten Beifang so weit wie möglich zu vermeiden. „Es ist in meiner 20-jährigen Amtszeit als erster Vorsitzender ein einmaliger Vorgang, dass ein Minister sich so eingehend auch mit den Problemen der Fischerei auseinandersetzt“, lobte Wolfgang Albrecht vom Fischereischutzverband. Nun seien Lösungen möglich, die die Existenz der Fischer nicht bedrohen und die Interessen des Naturschutzes besser einbeziehen.

Die Fischer verpflichten sich, ihre Stellnetzfläche von Anfang Juli bis Ende August an der Ostseeküste von Flensburg bis Fehmarn innerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone zu verringern - je nach Größe des Kutters um 60 bis 85 Prozent gegenüber der von der EU erlaubten Netzlänge. Das Ministerium will ein sogenanntes Beifangmonitoring und ein System zur anonymen Ablieferung von Schweinswalen finanzieren, die in Stellnetzen verendeten. In Schleswig-Holstein gab es im vergangenen Jahr 103 Stellnetzbetriebe im Haupterwerb und 281 im Nebenerwerb. Etwa 300 Stellnetzfischer sind in den Fischereiverbänden organisiert.

Die Naturschutzverbände BUND und Nabu reagierten entsetzt darauf, dass Habeck eine freiwillige Vereinbarung abschloss. Damit bleibe die gefährliche Stellnetzfischerei fast überall möglich, rügte der Nabu-Landesvorsitzende Hermann Schultz. Freiwillige Vereinbarungen seien das ungeeignetste Instrument naturschutzrechtlicher Möglichkeiten, meinte BUND-Landesvize Hans-Jörg Lüth. Nach Ansicht von Nabu und BUND können nur rechtlich gesicherte, zeitlich und räumlich begrenzte Gebietsschließungen verbunden mit der Entwicklung alternativer Fanggeräte die Küstenfischerei ökologisch nachhaltiger und zukunftsfähiger ausrichten.

Der Landesnaturschutzverband sieht nur eine „Übergangslösung mit Verfallsdatum“, wie der Vorsitzende Volkher Looft sagte. Das Land müsse den vom Ertrinken bedrohten Schweinswalen und Meeresenten einen angemessenen Schutz gewähren. „Verlässlicher, überfällig und für alle Seiten klarer ist eine gesetzliche Regelung - zumal sogar europäische Schutzgebiete im Küstenmeer betroffen sind.“ Der Verband bezweifelte, dass die Vereinbarung praxistauglich ist. „Denn in den Wintermonaten müssten im Bereich von festgestellten Meeresentenansammlungen freiwillig und schnell an der Küste alle Stellnetze abgebaut werden.“ 

Der WWF begrüßte die Regelung als kleinen Schritt in die richtige Richtung. Es sei nicht klar, ob die Maßnahmen wirksam sind, sagte WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter. Zudem stehe das zur Begleitung notwendige wissenschaftliche Untersuchungspaket noch nicht.

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