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Nachhaltige Fischerei : Fischbestände in der Ostsee gut erholt

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Drastische Fangmengenkürzungen haben zu einer Stabilisierung der Fischbestände in der Ostsee geführt. Sie könnte das erste Meer in der EU werden, das nachhaltig befischt wird, sagt ein Rostocker Forscher.

Die Ostsee könnte nach Einschätzung von Experten das erste Meer in der EU werden, das nachhaltig befischt wird. „Das Ziel ist nicht mehr weit weg, es könnte 2015 oder 2016 gelingen“, sagte der Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, Christopher Zimmermann. Diese Einschätzung begründet sich nach Angaben des Fischereibiologen auf die Analysen des Zustandes und der Entwicklung der Fischbestände in der Ostsee. Die Politik habe sich zudem seit 2008 sehr dicht an die wissenschaftlichen Fangempfehlungen gehalten und damit auch sichergestellt, dass die Bestände sich weiter erholen.

Zimmermann sprach sich für einen Perspektivwechsel auf die Küstenfischerei aus. „Der Wert der Küstenfischerei ist höher, als sich in den nackten Anlandezahlen ablesen lässt.“ Wenn die Gesellschaft das erkennt, könne sie über eine Quotenverteilung innerhalb Deutschlands diese Form der Fischerei fördern.

Die Zahl der Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern sinkt seit der Wende kontinuierlich - von knapp 1000 auf rund 270. Fischer beklagen Quotenkürzungen, zunehmende Restriktionen durch die EU-Fischereipolitik und Nachwuchssorgen. Trotz der rückläufigen Anzahl der Fischer sieht Zimmermann eine Zukunft für die Küstenfischerei. „Wir müssen als Gesellschaft unsere Perspektive auf diese Fischerei verändern“, sagte er. Es gehe nicht darum, möglichst viel und effektiv Fisch zu fangen.

Die Bestände von Dorsch und Hering in der Ostsee haben sich in den vergangenen Jahren nach Angaben Zimmermanns flächendeckend gut entwickelt. Auch beim westlichen Hering gebe es inzwischen „mehr als Licht am Horizont“. So betrug die Biomasse beim westlichen Ostseehering im Jahr 2013 rund 106.000 Tonnen - rund 20.000 Tonnen mehr als 2011. Beim Dorschbestand sei seit 1992 eine kontinuierliche Steigerung zu beobachten - der Bestand wuchs von 10.000 auf knapp 40.000 Tonnen. Beim östlichen Dorsch stieg der Bestand von 62.000 auf 180.000 Tonnen Biomasse. Trotzdem sei beim westlichen Dorsch der Fischereidruck immer noch zu groß, sagte er.

Weil Managementpläne nicht angepasst würden, werde der Bestand des westlichen Dorschs überfischt, obwohl alle wissen, dass die Sterblichkeit halbiert werden müsse. Hintergrund sei - ähnlich wie bei der Diskussion um die Zertifizierung des Ostseeherings - ein interinstitutioneller Streit innerhalb der EU und offenen Fragen mit Norwegen über die Bewirtschaftung der Bestände. Entscheidungen zur Bewirtschaftung der Fischbestände würden damit blockiert.

Der Fischereibiologe hofft, dass es bald zu einer Einigung der EU mit Norwegen über die Bewirtschaftung des westlichen Ostseeherings kommt. Die ursprünglich für Januar geplanten Gespräche sind auf Mitte Februar verschoben worden. Der Bewirtschaftungsplan sei neben dem Nachweis geringer Umweltauswirkungen und eines stabilen Bestands eine wichtige Voraussetzung für die Zertifizierung der Ostseeheringsfischerei mit dem MSC-Siegel. Im Gegensatz zum Nordseehering ist die Heringsfischerei in der Ostsee nicht zertifiziert, was zu Absatzproblemen führt. Es sei zu erwarten, dass die Preise für nicht zertifizierten Hering sinken werden, sagte Zimmermann. „Das ist schmerzhaft für die Fischerei, gerade in einem Jahr wie diesem, wo die Quoten für den Hering nochmals reduziert wurden.“ 

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erstellt am 30.Jan.2014 | 09:55 Uhr

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