Online-Optiker : Fielmann will Brillen-Handel im Internet ausbauen

Mit einer neuen Firma probt Günther Fielmann (73) die Zukunft der Optikerbranche.  Foto: dpa
Mit einer neuen Firma probt Günther Fielmann (73) die Zukunft der Optikerbranche. Foto: dpa

Die Traditionsfirma Fielmann will sich auf dem Internet-Markt positionieren. Eine Tochterfirma soll junge Unternehmen gründen - und das Online-Geschäft des Konzerns aufbauen.

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26. Juni 2013, 12:18 Uhr

Hamburg | Es ist eine Geschichte, die oft bemüht wird, wenn es um den Optiker-Riesen Fielmann und das Internet geht. Bei einer Bilanzkonferenz auf die Möglichkeiten des Online-Versandhandels angesprochen, kommentierte Firmengründer Günther Fielmann (73) einmal trocken: "Das ist ein Rückfall ins Mittelalter." Auch damals habe es auf den Märkten nur Fertigbrillen gegeben. Kritiker unkten später gerne, eine von Europas größten Optikerkette überlasse den digitalen Handelsplatz kampflos Konkurrenten wie Spex oder Brille24 - doch dem ist nicht so. Im Stillen wird bei Fielmann nämlich schon längst weiter gedacht. In einer eigenen Tochterfirma wird mit Apps für das Smartphone und den Möglichkeiten des Online-Versand-Handels experimentiert.
Vor rund einem Jahr wurde dafür die Tochter "Fielmann Ventures" aus der Taufe gehoben - ein sogenannter Inkubator, eine Starthilfe und Kapitalgeber für junge Unternehmen. Zwar ist sie im selben Gebäude wie die große Mutter beheimatet, die Büros sind aber räumlich getrennt. Geschäftsführer Christian Egli ist es wichtig, dieses Stück Unabhängigkeit zu betonen. "Fielmann Ventures entwickelt und fördert technische Lösungen und Geschäftsmodelle für die Zukunft der augenoptischen Branche", erklärt er die Zielsetzung. Eine iPhone-App zum Nachbestellen von Kontaktlinsen, die derzeit in Österreich erprobt wird, hat die Konzerntochter seit ihrer Gründung im August auf den Weg gebracht. Nach Darstellung von Egli ein Zukunftsmarkt - mit einem Umsatz von etwa 500 Millionen Euro im Jahr. Laut Egli tragen in der Bundesrepublik gegenwärtig fünf Prozent der Bevölkerung Kontaktlinsen, in den USA sind es hingegen 12, in Schweden gar 16 Prozent. Gut 20 Prozent des Umsatzes mit Kontaktlinsen insgesamt werden dabei laut Schätzungen des Marktforschungsinstituts GfK Online gemacht.

"Wir haben einen langen Atem"

Die App soll erst der Anfang sein, diverse weitere Projekte seien in Vorbereitung, heißt es in Hamburg. "Unsere Projekte reichen von technologischen Entwicklungen über Dienstleistungen bis zum direkten Online-Vertrieb. Was Sinn macht, testen wir mit unseren Kunden." Zur Seite steht Egli und seinem Team von zehn Mitarbeitern dabei vor allem der Sohn des Konzernchefs, Marc Fielmann. "Meine Rolle ist die beratende", so der 21-Jährige zurückhaltend zu seinem Engagement bei der hauseigenen Unternehmensförderung.
Wer in Deutschland an Inkubatoren denkt, der wird wohl zunächst Internet-Unternehmer wie beispielsweise die Samwer-Brüder im Blick haben, die mit ihrer Firma Rocket-Internet unter anderem den Facebook-Klon StudiVZ oder den Online-Versandhändler Zalando groß gemacht haben und weiterhin wie am Fließband neue Internet-Unternehmungen begründen, um diese schnellstmöglich und gewinnbringend verkaufen zu können. Doch so eine Art von Inkubator will Fielmann Ventures nach eigenen Angaben gerade nicht sein. Egli betont: "Sicher ist: Wir wollen wirtschaftlich arbeiten. Sicher ist aber auch: Kurzfristiger Profit und schnelle Exits sind nicht unser Fokus. Wir haben einen langen Atem."
Ob die Projekt-Firmen, die aus der Ideen-Schmiede hervorgehen, ein eigenständiges Leben geschenkt bekommen oder in den Konzern integriert werden, ist Egli zufolge dabei offen. "Nach einer angemessenen Testphase bereiten wir die Ergebnisse auf und stimmen uns mit Herrn Fielmann ab", so Egli. Die unmittelbare Überführung in die Fielmann AG sei dabei nur eine von mehreren möglichen Entscheidungen, die getroffen werden kann. Wie viel Geld Fielmann konkret für das hauseigene Versuchslabor und neue Ideen ausgibt, darüber herrscht Schweigen. "Als familiengeführtes Unternehmen investiert Fielmann auch in dieser Tochtergesellschaft langfristig und mit Augenmaß", heißt es auf Anfrage lediglich. Und: "Uns steht so viel Kapital zur Verfügung, wie wir für den Dienst am Kunden benötigen."

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