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„Erhöhter Druck“ oder „Plage“? : Feldmaus macht Bauern in SH zu schaffen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Feldmaus breitet sich in bestimmten Regionen Schleswig-Holstein deutlich aus. Landwirte klagen über Ertragsausfälle.

Die Feldmäuse kommen! In diesem Herbst krabbeln auf Acker- und Grünflächen in Schleswig-Holstein deutlich mehr Nager als in der vergangenen Saison. Das bestätigte das Kieler Umweltministerium auf Nachfrage unserer Zeitung. „Regional ist es auf einzelnen Flächen zu deutlichen Schäden gekommen“, sagte Ministeriums-Sprecher Sönke Wendland. Während Bauern und Forstwirte anderer Bundesländer über eine „Plage“ klagen, spricht das Ministerium hierzulande von einem „erhöhten Druck“, nicht aber von einem „Starkbefall“.

Schon im vergangenen Jahr habe die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt eine hohe Mäusepopulation festgestellt. „Wirtschaftlich bedeutende Schäden sind dem Ministerium aber zurzeit nicht bekannt“, so Wendland.

Das deckt sich mit der Einschätzung des Bauernverbandes. „Wir haben Mäuse, aber die Bestände sind normal“, sagte Pressesprecher Klaus Dahmke. Hinweise hätte es bisher auch in den Kreisbauernverbänden nicht gegeben. Warum Landwirte anderer Bundesländer vor so großen Nager-Problemen stehen, kann sich Dahmke nur mit den Wetterunterschieden erklären. „Wir hatten dieses Jahr rechtzeitig Niederschläge und keine Wetterextreme.“

Trotzdem: Nach Angaben der Landwirtschaftskammer in Rendsburg gibt es Äcker im Land, auf denen Feldmäuse für Ertragsausfälle gesorgt haben. „Es sind einzelne Flächen. Der Befall weitet sich nicht auf bestimmte Regionen aus“, sagte Gert Petersen, Referent für Pflanzenschutz, Ackerbau und Grünland. Er führt die Zunahme von Feldmäusen auf milde Winter, einhergehend mit frühen Aussaaten in diesem Jahr zurück. „Die Pflanzen auf den Feldern entwickelten sich gut und haben damit einen Sichtschutz vor Greifvögeln geboten“, so Petersen.

Erlebt hat das Achim Schäkel, Landwirt in Feldhorst (Kreis Stormarn). „Wir hatten noch nie Probleme mit Feldmäusen, aber bei dieser Ernte haben sie für einen Minderertrag von 20 Prozent gesorgt“, sagt er. Schon vor der Ernte hätte sich der Schaden angekündigt: „Die Weizen-Beständen waren recht dünn. Die Mäuse ziehen die Halme ins Erdreich und fressen unten weiter. Da waren richtig große Nester.“ Die Behörden hätten dem Landwirt jetzt die Genehmigung für den großflächigen Einsatz von Giftködern erteilt – ein kompliziertes Verfahren. Den zwölf Hektar großen Acker habe er jetzt gepflügt und mit Gerste bestellt. „Wir müssen gucken, wie das weiter läuft“, so Schäkel.

Die Nager fressen sich besonders gerne an Pflanzen satt. Zum Problem kann das vor allem für Landwirte, Obstbauern und Baumschulen werden. Medienberichten zufolge ist die Lage in Thüringen, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen besonders dramatisch.


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erstellt am 19.Sep.2015 | 14:52 Uhr

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