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6. Global Economic Symposium : Euro-Krise und Ägypten: Forum sucht Antworten

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

600 namhafte Wirtschaftsexperten diskutieren in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt die großen Probleme der Welt. „Dies ist kein Diskussionsforum, dies ist ein Lösungsforum“, stellt IfW-Präsident Dennis Snower gleich zu Anfang klar.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2013 | 08:58 Uhr

Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt steht ab heute im Fokus der ökonomischen Fachwelt. Beim 6. Global Economic Symposium (GES) geht es um nicht weniger als die großen Fragen der Weltwirtschaft. Allen voran: Wie kann die Euro-Krise überwunden werden? Gestern Abend wurde das Symposium mit einer Festveranstaltung in Kiel eröffnet. Neben dem Ökonomen Dennis Snower, dessen Institut für Weltwirtschaft (IfW) hinter dem Symposium steht, begrüßten auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD), die derzeit stark in die Schlagzeilen geratene Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) neben dem GES-Präsidenten Alessio Brown und Sahol Hamid Abu Bakar, dem Präsidenten der Technischen Universität Mara aus Malaysia, die rund 600 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. „Dies ist kein Diskussionsforum, dies ist ein Lösungsforum“, stellte Snower gleich zu Anfang klar. Und auch Albig wollte keine Zweifel an der Qualität der Zusammenkunft aufkommen lassen. „Es gibt sogar Stimmen, die sagen, das Weltwirtschaftssymposium sei besser als Davos, da es hier um mehr Lösungen für die drängendsten Probleme der Welt und weniger um soziale Netzwerke gehe“, so der Ministerpräsident.

Zu den hochkarätigen Gästen gehören unter anderem der fast schon legendäre amerikanische Investor George Soros, der sich vor allem mit spektakulären Wetten an den Finanzmärkten einen Namen gemacht hat. Er streitet ab heute unter anderem mit dem für das Eurogebiet zuständige OECD-Experten Eckhard Wurzel über Zukunft und Entwicklung der Euro-Zone. Zu den weiteren prominenten Teilnehmern des Symposiums gehören der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, der finnische Friedensnobelpreisträger Martti Ahtisaari und EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia.

In Kooperation mit der Unternehmerposition Nord, einer Initiative der HSH Nordbank, soll die künftige Wettbewerbsfähigkeit Europas diskutiert werden. HSH-Nordbank-Aufsichtsratschef Thomas Mirow spricht dabei unter anderem mit Stefan Dräger, Chef von Drägerwerk in Lübeck, über die Frage, wie sich nationalstaatliche Interessen in Europa und eine steigende Wettbewerbsfähigkeit von Europa insgesamt vereinbaren lassen.

Ein weiteres großes Thema auf dem Symposium ist die Zukunft der arabischen Staaten. Darüber debattieren der türkische Finanzminister Mehmet Simsek, der Vorstandschef des Telekommunikationskonzerns Zain für die Levante-Region, Abdul Al Jaber, und der frühere niederländische Ministerpräsident Wim Kok. Die Fragestellungen dazu lauten beispielsweise: Gefährdet die Situation in Ägypten den Frieden der ganzen Region? Breiten sich die Bürgerkriege in Syrien und im Irak, deren Wurzeln im Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten liegen, in andere Länder aus? Schwelt es auch in den Ländern, die bisher verhältnismäßig ruhig sind, und drängen auch in Marokko, Jordanien, Kuwait, Saudi-Arabien oder den Golf-Staaten bald die Massen auf die Straße? Dabei wollen die Experten die wahrscheinlichsten Szenarien der arabischen Staaten für die kommenden zwei bis drei Jahre erörtern.

Ein weiterer zentraler Punkt des Symposiums soll die Diskussion um die Frage sein, wie sich Wohlstand in Zukunft eigentlich definieren und bewahren lässt. Hintergrund derartiger Gespräche ist, dass Begriffe wie das Bruttoinlandsprodukt nur unzureichend tatsächlichen Wohlstand abbilden kann. „In der heutigen globalisierten Welt wird zu viel Wert auf wirtschaftlichen Erfolg gelegt, den man mittels des materiellen Wohlstands misst. Häufig wird übersehen, dass das BIP und andere ökonomische Maßstäbe nur Mittel zum Zweck sind, aber keinesfalls Selbstzweck“, hatte IfW-Präsident Dennis Snower im Vorfeld der Veranstaltung betont. Erfolge sollten jedoch besser daran gemessen werden, so er Experte, welches Wohlergehen von den jeweiligen Aktivitäten ausgehe und daran, wie dieses auf Bevölkerungen und Generationen verteilt sei.

Das erste GES fand 2008 und 2009 auf Schloss Plön statt. 2010 war es zu Gast in Istanbul, 2011 dann erstmals in Kiel. Vergangenes Jahr trafen sich die Experten in Brasiliens Millionenmetropole Rio de Janeiro. Auch künftig soll das Forum stets im Wechsel zwischen der Förde und einem internationalen Standort veranstaltet werden.2014 wird Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur Gastgeber sein.

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